Im Kern wirft Steinbrück der Bundespolitik und insbesondere den Ministerien vor, den längst überfälligen Reformprozess zu verschleppen. Er sieht die größten Hürden dabei weniger in externen Akteuren, sondern direkt in den Hierarchien der eigenen Verwaltung. Neuere Recherchen zeigen, dass das Thema Staatsmodernisierung auch in anderen Bereichen aktuell diskutiert wird – beispielsweise in Bezug auf die schleppende Digitalisierung deutscher Behörden, das Ringen um eine effizientere Verwaltung von Fördergeldern sowie den Umgang mit aktuellen geopolitischen Herausforderungen wie der EU-Erweiterung oder den Beziehungen zu China und den USA. Besonders auffällig ist, dass der Spagat zwischen Reformdruck und Beharrungskräften immer wieder fast schon tragikomische Züge annimmt: Während von außen Tempo gefordert wird, herrscht intern vielerorts tiefe Reformmüdigkeit. Ein weiteres Problem ist, dass der Modernisierungswille oft auf technische Aspekte verkürzt wird – strukturelle und kulturelle Hindernisse wie Hierarchiedenken, Wettbewerb zwischen Ressorts oder schlicht Angst vor Kontrollverlust kommen zu kurz. Insgesamt bleibt abzuwarten, ob und wie die angekündigten Reformschübe tatsächlich durchgezogen werden oder erneut im deutschen Antragswesen steckenbleiben.
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