Strategische Ölreserven als Puffer gegen Energiemarkt-Turbulenzen: Wirtschaftsweise raten zur Freigabe

Monika Schnitzer, Chefin der Wirtschaftsweisen, plädiert angesichts der angespannten Lage auf den Energiemärkten für eine gezielte Nutzung der strategischen Ölreserven innerhalb der G7. Diese Notfallvorräte existieren genau für solche Momente, um Versorgungsengpässe zumindest abzufedern – eine längst überfällige Option im aktuellen Krisenkonzert.

heute 10:59 Uhr | 3 mal gelesen

Historisch betrachtet wurden strategische Ölreserven bereits mehrmals gezielt angezapft, um bei dramatischen Marktverwerfungen für kurzfristige Stabilität zu sorgen. Nun schlägt Monika Schnitzer in aller Deutlichkeit erneut Alarm: Eine Freigabe dieser Reserven könnte drohende Versorgungslücken überbrücken, wobei klar sein muss – und das betont Schnitzer ganz nüchtern –, dass damit keine Dauerlösung geschaffen wird. Die Vorräte reichen ungefähr für 90 Tage Nettoimportbedarf – also ein überschaubares Zeitfenster, eher wie eine Art Notfall-Kopfkissen statt ein gemütliches Dauerlager. Gabriel Felbermayr, ebenfalls Wirtschaftsweiser, bringt noch einen weiteren Gedanken ins Spiel: Es brauche ggf. auch koordinierte Interventionen, etwa direkt mit den USA. Da könne ein Land wie Deutschland alleine kaum gegen die Dynamik des Weltmarkts ankommen. In Deutschland existieren gesetzlich festgelegte Ölreserven (um die 23 Millionen Tonnen), während Erdgas so gut wie gar keine Reserve genießt – im Gegensatz zu Österreich. Letztlich verläuft der Ratschlag immer entlang einer Balance: Eingreifen, aber nicht überreizen; Puffer nutzen, ohne sich in trügerischer Sicherheit zu wiegen.

Wirtschaftsexpertinnen und -experten schlagen momentan vor, die strategischen Ölreserven der G7-Länder freizugeben, um kurzfristige Preisspitzen auf dem globalen Energiemarkt abzufedern. Diese Maßnahme ist als schnelle Stellschraube gegen die unmittelbaren Auswirkungen geopolitischer Spannungen gedacht – insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten und ihrer Auswirkungen auf die Ölpreise. Laut mehreren Medienberichten wird allerdings darauf hingewiesen, dass dies maximal eine Atempause verschafft und größere strukturelle Veränderungen oder längere Konflikte damit nicht zu lösen sind. NEU: Nach aktuellen Berichten der Süddeutschen Zeitung und der Financial Times haben die G7-Staaten in den vergangenen Tagen intensive Gespräche über die Freigabe der Reserven geführt, wobei vor allem Unsicherheit über die Entwicklung im Nahen Osten und die Exportpolitik Russlands eine Rolle spielt (Stand: 10.06.24). Laut taz wird außerdem diskutiert, wie die Energiewende beschleunigt werden könnte, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen langfristig zu senken. Einige Expert:innen mahnen zudem, dass die reale Wirkung einer Freigabe auf die Rohölpreise angesichts der Einflussfaktoren am Weltmarkt begrenzt ausfallen könnte.

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