Mal ehrlich: Wer hockt schon freiwillig mit Husten oder Bauchgrummeln zu Hause, wenn der Chef argwöhnisch beäugt, ob die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch wirklich „echt“ ist? Pantazis erinnert daran, dass die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung keinesfalls ein Joker zum Blaumachen sei, sondern eine sinnvolle, ärztlich streng überwachte Option für harmlose, klar erkennbare Krankheitsfälle. So wie er das sagt („vernünftiges Instrument im Werkzeugkasten“), klingt es fast, als sei die Bürokratie ausnahmsweise mal auf der Seite der Menschen. Während CDU-Chef Merz die steigenden Krankmeldungen kritisch beäugt und Bundesgesundheitsministerin Warken das Regelwerk prüfen möchte, hält Pantazis dagegen: Nicht die Krankschreibungen müssen Kopf stehen – vielmehr sollten die Ursachen für häufige Ausfälle, von Atemwegsinfekten bis zu psychischer Überlastung, nicht aus dem Blick geraten. Interessant übrigens, wie schnell die „Symptombehandlung“ – also das Abschaffen der telefonischen Meldung – gefordert wird, während die eigentlichen Probleme jahrzehntelang bekannt sind und kaum angepackt werden. Janosch Dahmen von den Grünen sieht das ähnlich – und bringt eine überraschende Erklärung ins Spiel: Der messbar höhere Krankenstand seit Einführung der telefonischen AU sei ein Statistik-Effekt – Digitalisierung sei Dank. Das System sorge eher für eine Entlastung der Praxen und senke gerade in Erkältungszeiten das Risiko, sich in Wartezimmern gegenseitig anzustecken. Wer die Regelung abschafft, macht das Leben nicht zwangsläufig besser – nur komplizierter und teurer, meint er.
Im Zentrum der aktuellen Debatte steht die Möglichkeit, sich bei leichten Erkrankungen telefonisch krankschreiben zu lassen, was aktuell vor allem von SPD und Grünen verteidigt wird. Die Union zweifelt allerdings an der Sinnhaftigkeit und befürchtet eine Zunahme an Betrugsfällen, während SPD-Politiker Pantazis betont, wie engmaschig und ärztlich verantwortet diese Regelung tatsächlich sei. Grüne und Experten weisen zudem darauf hin, dass der gestiegene Krankenstand eher auf verbesserte Dokumentation und gesellschaftliche Veränderungen denn auf eine zu laxe Praxis bei Krankschreibungen zurückzuführen ist. — In den letzten 48 Stunden wurde der Diskurs um Krankschreibungen maßgeblich von politischen Äußerungen und der Berichterstattung verschiedener Medien bestimmt. Die „FAZ“ betont in einem Artikel, dass der Krankenstand auf einen Dreijahres-Höchststand gestiegen ist und verweist auf vermehrte Atemwegserkrankungen, plädiert aber für langfristige Betrachtungen bei gesetzlichen Änderungen (Quelle: FAZ). Die „Süddeutsche Zeitung“ nimmt die Kritik aus der Union auf, weist aber auch auf Gegenpositionen aus Gewerkschaften und der Ärzteschaft hin, die Angst vor zusätzlichem bürokratischem Aufwand haben (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Auf „taz.de“ wird besonders betont, dass Kranke nicht unter Generalverdacht geraten sollten und die Erfahrungen mit der telefonischen Krankschreibung während der Pandemie zu überwiegend positiven Rückmeldungen geführt hätten (Quelle: taz.de).