Strommarkt: Baden-Württemberg warnt vor Spaltung

Thekla Walker, Energieministerin und Mitglied der Grünen aus Baden-Württemberg, kritisiert offen den norddeutschen Vorstoß, den deutschen Strommarkt regional aufzuteilen – und mahnt vor schwer absehbaren Folgen.

heute 13:29 Uhr | 4 mal gelesen

„Einen Flickenteppich beim Strommarkt halte ich für brandgefährlich. Wenn jetzt neue Preiszonen eingeführt werden, dazu noch langwierige Übergangsphasen mit allerlei Ausgleichsmechanismen, erzeugt das nur ein bürokratisches Labyrinth – teuer und schwer zu durchblicken für alle Seiten“, meinte Walker im Gespräch mit Focus. Anlass: Die IHK Schleswig-Holstein träumt davon, zusammen mit Hamburg und der dänischen Wind-Hochburg Jütland eine eigene Gebotszone für Strom zu formen. Mitgrüner Tobias Goldschmidt, seines Zeichens Energiewendeminister in Schleswig-Holstein, hat sich bereits hinter diese Idee gestellt.

Doch in Stuttgart schrillen die Alarmglocken. Zu viele Baustellen sowieso – Transformation, weltweite Konkurrenz, Unsicherheit überall. Übertreibt man jetzt mit komplizierten Parallelstrukturen, so Walkers Mahnung, könnten Unternehmen Baden-Württemberg verlassen. Die Abwanderung ins Ausland wäre zumindest kein Hirngespinst. Bemerkenswert: Hinter der nüchternen Minister-Phrase verbirgt sich die Sorge um den Wirtschaftsstandort. Und um all die Arbeitsplätze, die an günstigen, verlässlichen Strom gekoppelt sind.

Die Debatte um eine mögliche regionale Aufspaltung des deutsche Strommarktes zieht weitere Kreise: Während Schleswig-Holstein und Hamburg, gestützt von der Industrie- und Handelskammer, von einer Gebotszone gemeinsam mit der Windkraftregion Jütland profitieren wollen, bleibt der Südwesten äußert skeptisch. Ministerin Walker verweist auf die drohenden Belastungen – nicht nur für Verwaltung und Wirtschaft, sondern letztlich auch für die Versorgungssicherheit und Industrie-Arbeitsplätze. Tatsächlich zeigt der Blick auf aktuelle europäische Entwicklungen: Frankreich, Italien und andere Staaten sehen sich ebenfalls mit Verteilungskämpfen und regionalen Interessen konfrontiert, die Strompreise und Transformationsgeschwindigkeit beträchtlich beeinflussen können.

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