Trump vs. Fed: Harvard-Ökonom Rogoff warnt vor beunruhigender Einschüchterung

Für Professor Kenneth Rogoff sind Trumps Angriffe auf Notenbankchef Powell vor allem ein Versuch, Angst unter den übrigen Mitgliedern der Fed zu schüren – mit weitreichenden Konsequenzen.

17.01.26 23:03 Uhr | 3 mal gelesen

„Egal, wer auf Powell folgt, wird sich Trump unterordnen“, so bringt Kenneth Rogoff die Dynamik auf den Punkt – und das ziemlich unverblümt gegenüber dem 'Spiegel'. Seiner Einschätzung nach geht es Trump weniger um den aktuellen Fed-Chef, sondern darum, allen übrigen Entscheidungsträgern der Notenbank eine Warnung zu senden: 'Wende dich gegen mich, und ich finde etwas, das dein Leben ruiniert.' Besonders perfide, findet Rogoff: Viele Ratsmitglieder verfügen nicht ansatzweise über Powells juristische Mittel und Finanzkraft. Der Fokus auf strafrechtliche Anschuldigungen sei keineswegs Zufall – in solchen Fällen übernimmt die Fed die Kosten nämlich nicht. „Die Leute sind verwundbar, selbst als Akademiker kann man sich so einen Abwehrkampf oft schlichtweg nicht leisten“, sagt Rogoff mit Blick auf seinen eigenen Werdegang als Wirtschaftsprofessor und Ex-Fed-Berater. Doch damit nicht genug: Trump kann auf die Unterstützung ganzer Institutionen bauen – NSA, FBI, Hypothekenaufsicht – die intime Bereiche ausleuchten, um Druckmittel zu sammeln. Und wie Rogoff süffisant anmerkt, brauche Trump in seinem Machtstil nicht mal stichhaltige Beweise. Ein bloßer Vorwurf genüge für massiven Druck. Diese Art von Attacke erinnere ihn an das, was er aus Ländern kennt, in denen die Unabhängigkeit der Notenbank regelmäßig geopfert wird: „Das Wort Bananenrepublik ist zwar nicht schön, aber anders lässt es sich kaum beschreiben“, so Rogoff. Er erinnert sich an Episoden aus seiner Zeit bei internationalen Institutionen, als Zentralbanker körperlich bedroht wurden, wenn sie der Regierung zu sehr widersprachen – eine Entwicklung, die ihn jetzt auch in den USA umtreibt.

Kenneth Rogoff, renommierter Professor und ehemaliger Spitzenberater, zeigt sich besorgt darüber, wie Donald Trump durch gezielte Angriffe auf die Fed-Führung, vor allem auf Jerome Powell, das Klima der Furcht unter den Notenbankgouverneuren massiv verschärft. Insbesondere durch den Einsatz strafrechtlicher Anschuldigungen – bei denen die Betroffenen oft ungeschützt dastehen – drängt Trump Rogoff zufolge auf eine gefährliche Politisierung der Notenbank. Wie mehrere aktuelle Medienberichte betonen, konnten in den letzten Tagen die Märkte zwar Stabilität wahren; dennoch steigt die Unsicherheit unter Experten, wie unabhängig die amerikanische Geldpolitik künftig wirklich bleibt und welche Folgen das für Demokratie, Investitionen und Vertrauen global haben könnte.

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