Interessanterweise schlägt der sogenannte "Kubicki-Effekt", den andere Meinungsforscher manchmal registrieren, bei Infratest aktuell nicht durch. Die sonstigen Parteien kommen gemeinsam gerade einmal auf mickrige 6 Prozent. Infratest hat dieses Mal 1.326 Menschen befragt, das Ganze lief am Montag und Dienstag – also noch frisch. Spannend ist, dass exakt die Hälfte der Wähler:innen aus tiefer Überzeugung wählt; fast genauso viele wiederum, weil sie von den Alternativen enttäuscht sind. Besonders herausstechend: Bei AfD-Anhängern steht Enttäuschung mit 57 Prozent als Hauptantrieb klar über Überzeugung. Das inhaltliche Programm einer Partei bleibt für alle aber der wichtigste Grund für ihre Wahl (drei Viertel nennen das). Langfristige Bindung oder Köpfe prägen die Entscheidung viel seltener – jedoch: Bei der Union und der SPD hat Tradition noch eher Gewicht. Die Zufriedenheit mit der Bundesregierung? Ernüchternd – es gibt satte 87 Prozent Unzufriedene, nur 12 Prozent (immerhin!) äußern sich zufrieden. Aus dem Kabinett ragt weiterhin Boris Pistorius positiv hervor, während Merz, Dobrindt und Co. kaum punkten können. Viele Politiker bleiben der breiten Mehrheit weiterhin ein Rätsel oder sorgen für Schulterzucken. Die Debatte, ob man mit der AfD zusammenarbeiten sollte, bleibt brandaktuell: 41 Prozent lehnen jede Kooperation klar ab, 31 Prozent plädieren für eine pragmatische Einzelfallprüfung, ein Viertel ist sogar offen für gezielte Zusammenarbeit. Die grundsätzliche CDU-Linie, jede Koalition mit der AfD auszuschließen, spaltet das Land fast exakt in zwei gleich große Lager. Die harte Distanz zur Linkspartei hingegen stößt auf wenig Begeisterung – außer bei eingefleischten Union-Wählern.
Die aktuelle Infratest-Umfrage unterstreicht eine auffallende Schwäche der CDU/CSU – seit Januar 2022 war der Wert nicht mehr so niedrig. Trotz allgemein schlechter Werte für die Bundesregierung hält sich Verteidigungsminister Pistorius (SPD) beständig im Positiven, während andere Regierungsmitglieder kaum überzeugen. Die AfD bleibt auf einem hohen Umfragewert, was Diskussionen um den Umgang mit ihr weiter anheizt; viele Deutsche sind in der Frage, ob und wie man mit der AfD politisch umgeht, gespalten.
Internationale Medien greifen die anhaltenden Proteste gegen Rechts sowie die wachsende Unsicherheit bei den traditionellen Parteien auf. Gleichzeitig zeigen andere Umfragen, wie groß Frust und Wechselbereitschaft auch bei früheren Stammwählern traditioneller Parteien inzwischen geworden sind. Laut Analysen verschiedener Nachrichtenseiten tragen unter anderem steigende Lebenshaltungskosten, Unsicherheit in der Außenpolitik und ein Gefühl politischer Entfremdung maßgeblich zum Vertrauensverlust bei.
Ergänzend: Laut "taz" debattieren Politiker aktuell auf verschiedenen Ebenen, ob härtere Distanzierungsstrategien gegenüber der AfD künftig die richtige Antwort sind („taz.de“). Die "FAZ" betont, dass die Grünen offenkundig den Anschluss in ländlichen Regionen verlieren und dass das Abstrafen der Ampel-Mitte historische Ausmaße hat („faz.net“). "Spiegel Online" hebt hervor, dass das Vertrauen in das politische System vielerorts erodiert und neue Protestbewegungen zunehmend Zulauf finden – gerade im Osten („spiegel.de“).