Unternehmenspflicht für Sicherheit? BearingPoint fordert neue Rolle der Wirtschaft

Frankfurt am Main – Das Beratungsunternehmen BearingPoint legt ein kontroverses Strategiepapier vor: Die deutsche Wirtschaft soll zur tragenden Säule der nationalen Sicherheit werden, nicht nur für den Notfall, sondern auch angesichts dauerhafter hybrider Bedrohungen wie Cyberangriffen. Unternehmen müssten lernen, sich auch gegen digitale Attacken und orchestrierte Desinformation zu wappnen – ein Schritt, den viele Branchen bislang scheuen. Der Vorschlag einer 'Wehrpflicht für Unternehmen' sorgt für Diskussionsstoff.

heute 08:31 Uhr | 1 mal gelesen

Mal ehrlich: Wer hätte gedacht, dass das Wort 'Wehrpflicht' plötzlich auch im Zusammenhang mit Unternehmen auftaucht? Die Management- und Technologieberatung BearingPoint wagt diesen Gedanken und schlägt eine Art 'Musterung' für deutsche Firmen vor: Nach ihrem Strategiepapier sollen vor allem kritische Infrastrukturen sowie große Logistiker und IT-Dienstleister individuell beurteilt und auf Krisenfälle vorbereitet werden. Denn Cyberangriffe und verdeckte Operationen treffen längst täglich die Wirtschaft – Technikwissen reicht da nicht mehr, es geht auch um Vertrauen und die Fähigkeit zur schnellen Reaktion auf Desinformationskampagnen. Länder wie Finnland oder Schweden gehen schon länger mit verpflichtenden Partnerschaften zwischen Staat und Wirtschaft voran; in Deutschland hingegen ist vieles noch freiwillig und oftmals Stückwerk. Das BearingPoint-Konzept sieht ein dreistufiges Modell von Sensibilisierung über Trainings bis hin zu einem Zertifikat vor. Nicht nur der Staat würde gewinnen, sondern auch Unternehmen könnten so ihre eigene Krisenfestigkeit als Wettbewerbsvorteil ausspielen. Doch offene Fragen bleiben: Reicht reine Freiwilligkeit, oder braucht es doch eine gesetzliche Pflicht? Und wie aktuell sind eigentlich die Notfallgesetze aus der Zeit des Kalten Krieges, wenn jetzt vor allem digitale Angriffe drohen? Die Autoren fordern eine politische Entscheidung und eine neue 'Sicherheitskultur', die Wirtschaft, Gesellschaft und Staat gemeinsam aufstellen. BearingPoint ist eine europaweit aufgestellte Beratungsfirma mit Fokus auf Transformation, Digitalisierung und KI. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 15.000 Mitarbeiter weltweit und arbeitet für nationale wie internationale Top-Klienten.

Im Kern propagiert das Strategiepapier von BearingPoint, dass eine Einbeziehung wirtschaftlicher Akteure in die nationale Sicherheitsarchitektur dringend notwendig erscheint – und zwar angesichts der wachsenden Anzahl täglicher Cyberattacken auf Unternehmen und kritische Infrastrukturen. Neben technischen Sicherheitsvorkehrungen betont die Studie die Bedeutung gesellschaftlicher Resilienz und eines ganzheitlichen Ansatzes, bei dem auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Wirtschaft gestärkt werden muss. Neuere Recherchen zeigen, dass die Bundesregierung aktuell plant, die Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft im Bereich Cybersicherheit zu intensivieren; jüngst wurde beispielsweise ein Referentenentwurf für ein "Krisenvorsorgegesetz" diskutiert, das Unternehmen zum Ausbau von Notfallplänen verpflichten könnte. Angesichts jüngster Cyberangriffe, etwa auf den Deutschen Bundestag oder die Deutsche Bahn, werden Forderungen nach verbindlichen Mindeststandards immer lauter. Zudem beobachtet man mit Blick auf die Erfahrungen skandinavischer Länder, dass verpflichtende Programme tatsächlich die Widerstandsfähigkeit erhöhen können, aber auch für Debatten um Bürokratie und Wirtschaftsfreiheit sorgen. Erst kürzlich wurden neue EU-Richtlinien zur NIS2 (Netzwerk- und Informationssicherheitsrichtlinie) verabschiedet, die ab Oktober 2024 in Deutschland umgesetzt werden müssen.

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