Vertrieb im Wandel: Raus aus dem Elfenbeinturm

Wiesbaden – Branchen, die bislang auf Anfragen warteten, werden von der Realität eingeholt. Der deutsche Industrie-Vertrieb muss nach Jahrzehnten in der Komfortzone wieder lernen, tatsächlich zu verkaufen. Daniel Rexhausen von DIMARCON hält dem Vertrieb den Spiegel vor und fordert: Weg mit der Passivität!

heute 09:10 Uhr | 3 mal gelesen

Stellen Sie sich vor, Ihr Lieblingsrestaurant wartet tagein, tagaus in der Hoffnung, jemand stolpere zufällig vorbei. Unvorstellbar – und doch agieren viele Vertriebe so. Was manch einer als reine Flaute abkanzelt, grenzt in Wahrheit an einen Bruch, tief ins Mark der Industrie hinein. Besonders bei den Automobilzulieferern schlägt der Wandel wie ein Blitz ein – oder wie Rexhausen pointiert: nicht wie ein Gletscher, eher wie ein ICE, der Bahndämme wegräumt. Jahrzehntelange Sicherheit, die jetzt ins Wanken gerät. Wer einst mit fetten Umsätzen durch treue Stammkunden jonglierte, steht heute wie am Bahnsteig und spürt: Der Zug fährt ohne einen ab. Die bisherige Haltung „Warten, bis jemand fragt“ war bequem – und ist inzwischen toxisch. Maschinenbauer, Anlagenfertiger, Werkzeughersteller: Sie alle müssen schmerzhaft anerkennen, dass der Kunde von gestern heute gar nicht mehr kommt – oder längst beim Wettbewerb eingekauft hat. Während China mit Billigangeboten den Markt flutet, Russland als Kunde flachfällt und Energiepreise beängstigend steigen, setzen viele immer noch auf passive Bestellannahme. Die politischen Rahmenbedingungen... lassen wir das mal so stehen. In Deutschland sei man zu lange verwöhnt gewesen, war sich zu sicher, betont Rexhausen – die Rechnung dafür kommt jetzt. Unternehmen, die auf Nachfrage-Reflexe setzen, bekommen diese Quittung prompt: Der Kundenstrom versiegt, der Umsatz schrumpft. Klar, früher war alles einfacher: Produkt auf die Messe stellen – und warten, bis die Kunden zu Füßen fallen. Aber die Hannover Messe? Halbe Ausstellerzahl binnen fünf Jahren. Corona war dabei nicht mal der Hauptgrund, sondern eher der Katalysator. Die goldenen Jahre der Auftragssicherheit sind passé; es braucht neue Ideen und Tatkraft. Wer stur nach Schema F arbeitet, entschwindet. Und, Hand aufs Herz: Vertrieb bedeutet heute, aufs Spielfeld zu laufen, nicht bloß das Tor offen stehen zu lassen. Wer vorausdenkt, agiert, Probleme identifiziert, bevor der Kunde sie benennt – der wird gebraucht. Oder, um es salopp zu sagen: Wer nix bringt, fliegt. Umsätze entstehen nicht mehr komfortabel durch Wiederholungstat, sondern durch den Mut, neue Märkte zu erschließen, Möglichkeiten aktiv zu erspüren. Einfach warten? Das ist keine Strategie – das gleicht Kapitulation im Zeitlupentempo. DIMARCON will dem Mittelstand auf die Sprünge helfen, konkret mit greifbaren Werkzeugen und Auswahl, nicht mit Durchhalteparolen. Es geht darum, Abhängigkeiten zu durchbrechen, Branchen-Fokus zu schärfen und Vertrieb als Motor zu reparieren, nicht als Bremse mit rostigen Belägen zu belassen. Handlungsoptionen gibt es reichlich, aber: Wer jetzt nicht aufspringt, wird vom fahrenden Marktzug endgültig abgehängt.

Die deutsche Vertriebslandschaft, vor allem im industriellen und technischen Sektor, steckt in einer tiefen Umbruchsphase. Faktoren wie rapide Veränderungen im Automobilbereich, die aggressive Konkurrenz aus Asien, geopolitische Spannungen, steigende Energiepreise und der Wegfall sicherer Absatzmärkte setzen die alte Haltung des passiven Vertriebs immer stärker unter Druck. Viele Unternehmen erkennen zu spät, dass sich der Markt grundlegend gewandelt hat und dass nur proaktives, mutiges Vorgehen – und kein nostalgisches Verharren – Wachstum sichern kann. Neue Zahlen zeigen: Laut Branchenverbänden ist der Anteil der aktiv marktbearbeitenden Firmen in den letzten zwei Jahren um fast 20% gestiegen; dennoch bleibt der Nachholbedarf hoch. Die Digitalisierung eröffnet Chancen, aber auch neue Hürden, etwa durch datengetriebenen Vertrieb und Künstliche Intelligenz, die traditionelle Rollen massiv verändern. Führungskräfte warnen: Wer es versäumt, Vertrieb neu zu denken, riskiert, binnen fünf Jahren vom Markt zu verschwinden, da sowohl nationale als auch globale Wettbewerber mit beispiellosem Tempo voranschreiten.

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