„Die FDP hat Entscheidungen getroffen, bei denen es durchaus auch andere Wege gegeben hätte“, merkt Volker Wissing im Gespräch mit Politico mit einem fast schon lakonischen Unterton an. Er macht keinen Hehl daraus, dass er nicht einverstanden war – was, wie er selbst einräumt, „offenkundig“ gewesen sei. Eine Rückkehr zu Parteiführung oder generelle Verantwortung für den Kurs schließt er kategorisch aus: „Ich bin gar nicht mehr in der FDP, die letzten Beschlüsse und die politische Ausrichtung gehen nicht auf mein Konto.“ Er sieht die Verantwortung ganz bei jenen, die das neue Profil der Partei gestaltet haben: „Damit müssen die jetzt auch leben.“ Auf die weitere Entwicklung blickt Wissing dennoch mit einem Rest Idealismus: Das Wählerurteil werde Richtung geben, und liberalen Antrieb gebe es nach wie vor. Bezüglich seiner Heimat Rheinland-Pfalz zeigt sich der Ex-Minister enttäuscht über den Ampel-Kollaps in Berlin – das erschüttere das Vertrauen, dass Parteien der demokratischen Mitte noch kompromissfähig seien. Für Alexander Schweizer, den Spitzenkandidaten der SPD im Land, findet Wissing anerkennende Worte: Er sei „integrer Typ“ mit viel Erfahrung. Auch das ist nicht selbstverständlich in diesen Zeiten.
Volker Wissing, der sich einst als Vordenker in der FDP profilierte, kritisiert offen die jüngsten Entscheidungen seiner Partei und weist jede Mitverantwortung von sich. Er plädiert für mehr Liberalität in der deutschen Politik und sieht die Zukunft der Partei nun eindeutig in Händen der Wähler. Der Bruch der Berliner Ampel-Koalition bewertet er als alarmierendes Zeichen für die Kompromissunfähigkeit der politischen Mitte – eine Einschätzung, die in den letzten Tagen auch von anderen Stimmen aus der politischen Landschaft geteilt wurde. Außerdem äußerte sich Wissing jüngst in weiteren Interviews über die steigende Unsicherheit in der deutschen Parteienlandschaft und deutete an, dass sowohl die FDP als auch andere Parteien an Glaubwürdigkeit verloren hätten, was die Wählerbindung bereits spürbar beeinflusse. Laut aktuellen Medienberichten brodelt es intern weiterhin, Reformvorschläge werden in der Partei aber nur zögerlich aufgenommen. Die Diskussion um die Rolle der FDP verschärfte sich zuletzt auch durch den überregionalen Blick auf die zerstrittene Ampel, wobei viele Liberale auf einen Neuanfang hoffen – solange sie sich auf ihre Kernkompetenzen besinnen können.