Wechselgeld für die Umwelt: lavera baut mit am ersten Kosmetik-Pfandsystem / Startschuss und Panel in Heilbronn für dauerhafte Kreislauflösungen

Hannover/Heilbronn – Kosmetikflaschen im Kreislauf? Was bei Cola und Käse funktioniert, soll nun auch Shampoos, Duschgels und Cremetuben zu nachhaltigen Mehrfachnutzern machen: Leere Verpackungen im Supermarkt zurückgeben, ganz ohne Kopfzerbrechen. Bei der Auftaktveranstaltung des Start-ups reo am Bildungscampus Heilbronn am 24. Juni 2026 war lavera Naturkosmetik als einer der Treiber mit am Start. Gemeinsam mit Partnern wie der Stadt Heilbronn, Händlern wie Kaufland und VollCorner Biomarkt, Wissenschaft und anderen Branchenpionieren wurde der nächste Schritt einer Idee eingeläutet, die den Alltag grüner machen könnte.

heute 14:28 Uhr | 3 mal gelesen

Der erfolgreiche Testlauf in München – mit 20 Kaufland-Märkten und 10 VollCorner-Standorten – ist vorbei, nun bekommt die Reuse-Idee einen größeren Spielplatz: Acht neue Kaufland-Filialen im Heilbronner Raum steigen ein. Heilbronn als Hotspot für zukunftsgewandte Projekte, frisch geehrt als kommende Green Capital Europas, gibt der Sache Schwung. Bürgermeister Harry Mergel begrüßte die Initiative und betonte deren Pionierrolle für die Stadt. Passenderweise diente das im Dezember 2025 eröffnete Gravity – ein 7.000 m² großer Startup-Treffpunkt auf dem Bildungscampus – als Launchpad: Hier werden Themen wie nachhaltige Verpackungen keinesfalls nur diskutiert, sondern tatsächlich angepackt. Dr. Julia Hufnagel integrierte das reo-Projekt stimmig in die Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt – als echten Beleg, dass innovative Wirtschaft und Stadtentwickler gemeinsam an Lösungen tüfteln. Oliver Hanisch von den Campus Founders Ventures betonte, Heilbronn wolle mit Projekten wie reo nicht nur mitziehen, sondern die Richtung bestimmen: „Innovation und Kreislaufwirtschaft sind hier keine bloßen Schlagworte!“ lavera, schon früh dabei, spielt als Naturkosmetik-Pionier eine Schlüsselrolle und bringt sich forschend ein. Erste Erkenntnisse: Schon nach zwei, drei Umläufen schneidet das Mehrwegsystem ökologisch besser ab als Einweg. Das zeigte Johanna Meier vom Fraunhofer IBP mit handfesten Lebenszyklusanalysen. Oder anders: Nicht reden, sondern machen – das ist aktuell gefragt. Sabine Kästner von lavera sieht das so: „Ob das perfekte System je kommt? Unklar. Aber anpacken statt abwarten! Die EU drückt mit ihrer Verpackungsverordnung aufs Tempo – wir wollen das Neue aktiv begleiten.“ Bei der Podiumsdiskussion saßen Start-up, Händler und Hersteller in einer Runde und sprachen offen über Hindernisse und Chancen: Wie kann Kreislaufwirtschaft alltagstauglich werden? Für reo ganz klar: Marken dürfen ihre Verpackungen individuell gestalten und Verbraucher müssen nichts Neues lernen – das steigert die Akzeptanz. Die öffentlich gezeigte, speziell konzipierte Wasch-Anlage für Flaschen unterstrich: Skalierung ist kein Buzzword, sondern findet vor Ort statt. Der Bedarf: Allein in Deutschland landen jährlich etwa 400 Millionen Einweg-Shampooflaschen im Müll. Mit der EU-Verordnung (PPWR – ab 2026 Pflichtbestandteil für manche Verpackungen) wird Mehrweg in der Kosmetik fast unausweichlich. Das reo-System setzt genau dort an und nutzt Alt-Bekanntes: Pfandautomaten werden so weiter gedacht, dass auch Pflegeprodukte Teil des Kreises werden. Für Unternehmen wie lavera ist das Mehrweg-Engagement kein bloßes Experiment. Vom Einkauf bis zur Auslieferung will man den Ressourcenverbrauch senken und Kreisläufe schließen. Am Ende des Pilotprojekts steht die kritische Frage: Wird aus einer Idee ein zukünftiger Standard? Die Akteure: Das junge Unternehmen reo verbindet per Plattform Marken, Handel und Konsumenten – und das, ohne Verbraucher zu verwirren: Altbekanntes Pfandprinzip, neues Anwendungsfeld. Heilbronn als Modellregion könnte die Landkarte für nachhaltige Verpackungen neu zeichnen. Und lavera? Der Traditionsbetrieb aus Hannover arbeitet schon seit 1987 mit der Vision, nachhaltige Naturkosmetik massentauglich zu machen – in derzeit über 40 Ländern.

Das Pilotprojekt für ein Mehrwegsystem bei Kosmetikverpackungen – getragen von Partnern wie lavera Naturkosmetik und dem Start-up reo – möchte Einweg-Plastikflaschen in deutschen Badezimmern überflüssig machen. Nach dem erfolgreichen Start in München wird das System nun auf Heilbronn ausgeweitet, wo die innovative Stadtverwaltung, zahlreiche Händler und andere Naturkosmetik-Marken wie Kneipp und Santé an Bord sind. Die EU gibt mit ihrer Verpackungsverordnung (PPWR) massiv Druck, bis 2030 recycelbare und mehrwegfähige Lösungen zu fördern, weshalb Projekte wie dieses starke Impulse für die gesamte Kosmetikbranche setzen. Neue Recherchen zeigen, dass auch andere Unternehmen aus der Kosmetikbranche – etwa dm oder Beiersdorf – an eigenen Mehrweg- oder Refill-Systemen arbeiten und die politische Signalwirkung der EU-Vorgaben im Markt bereits für zahlreiche Kooperationen sorgt. Gleichzeitig berichten Umweltverbände von steigender Akzeptanz nachhaltiger Verpackungen bei Verbrauchern, wobei jedoch weiterhin sowohl die Standardisierung als auch das praktische Handling große Themen bleiben. Kritische Stimmen fordern, dass die Kommunen und der Handel nicht nur Leuchtturmprojekte, sondern robuste Alltagslösungen für breite Bevölkerungskreise priorisieren, damit Kreislaufideen nicht am Convenience-Faktor oder an mangelndem Mitmachen scheitern.

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