Wehrbeauftragter drängt auf rasche Dunkelfeld-Studie nach Skandal bei Fallschirmjägern

Angesichts schwerer Vorwürfe gegen das Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken verlangt der neue Wehrbeauftragte Henning Otte von Verteidigungsminister Boris Pistorius eine schnelle Umsetzung der lange geforderten Dunkelfeld-Studie, um verdeckte Missstände in der Bundeswehr systematisch aufzuklären.

heute 07:05 Uhr | 3 mal gelesen

„Die Anschuldigungen im aktuellen Fall wiegen schwer und müssen gründlich ans Licht gebracht werden“, äußerte Otte gegenüber der Rheinischen Post. Daher, so betonte er, sei es entscheidend, dass das laufende Ermittlungsverfahren zügig und ohne Abstriche abgeschlossen werde. Zudem pocht er auf eine baldige Realisierung der von seiner Vorgängerin initiierten Dunkelfeld-Studie – eine Untersuchung, die nicht gemeldete Vergehen oder problematische Strukturen innerhalb der Bundeswehr beleuchten soll. Aus Ottos Sicht ist eine tiefgehende Analyse überfällig, um konkrete und wirkungsvolle Maßnahmen gegen Übergriffe und Fehlverhalten einzuleiten. Am Mittwoch skizzierte Heeresinspekteur Freuding dem Verteidigungsausschuss einen Maßnahmenplan, um derartigen Vorfällen künftig vorzubeugen. Otte lobt diesen Schritt als deutliches Zeichen der Erneuerung. Für Vertrauen bei Rekrut:innen und Gesellschaft braucht es jedoch laut Otte verbindliche Regeln und deren konsequente Durchsetzung – nur so könne das Bild des Wehrdiensts und der Bundeswehr insgesamt verbessert werden. Hintergrund sind die aktuellen Ermittlungen gegen Angehörige des Fallschirmjägerregiments, denen unter anderem rechtsextreme Umtriebe, sexuelle Grenzüberschreitungen und Drogenmissbrauch zur Last gelegt werden.

Die erneuten Entgleisungen im Fallschirmjägerregiment 26 werfen ein Schlaglicht auf ein tieferliegendes Problem innerhalb der Bundeswehr: Mögliche Missstände werden oft nicht oder zu spät gemeldet. Der Wehrbeauftragte Otte fordert daher entschieden die Umsetzung der seit über einem Jahr befürworteten Dunkelfeld-Studie. Unterdessen laufen strafrechtliche und organisatorische Schritte auf Hochtouren, um das verloren gegangene Vertrauen in die Truppe wiederherzustellen und den Wehrdienst für neue Generationen wieder attraktiv zu machen. In den vergangenen Tagen haben mehrere Leitmedien – darunter die Süddeutsche Zeitung und Der Spiegel – über die Debatten rund um Extremismus, Drogen und Fehlverhalten in der Bundeswehr berichtet. Es findet ein neuerlicher gesellschaftlicher und politischer Diskurs über strukturelle Reformen und Präventionsansätze statt. Bislang wurde die Dunkelfeld-Studie trotz breiter Zustimmung noch nicht umgesetzt; Experten und Fachverbände mahnen, dass eine solche Analyse angesichts der komplexen Gemengelage umso dringender wird.

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