Manuel Hagel, derzeit der tonangebende Christdemokrat im Süden, findet klare Worte gegen Cem Özdemir – und besonders gegen dessen Darstellung der Partei. Özdemir verspreche – so Hagel – Dinge, von denen jeder wisse, dass sie mit dem Kurs der Bundes-Grünen nichts zu tun hätten. 'Das entspricht nicht der Wahrheit', sagt Hagel wörtlich – fast klingt es, als würde ihn das persönlich enttäuschen. Vor allem stört ihn, dass Özdemir plötzlich ein positives Bild vom Auto zeichnet. Dabei, so Hagel, war die Ablehnung des Autos doch über Jahre fast ein Markenkern der Grünen. Jetzt, wo die gesellschaftliche Diskussion sich wendet und Arbeitsplätze im Land auf dem Spiel stehen, vollziehen die Grünen plötzlich eine Kehrtwende – wie Hagel findet, ein Etikettenschwindel.
Hagel geizt auch beim Thema Migration nicht mit Kritik: Özdemir wolle zwar in Zeitungsartikeln ausführlich über die negativen Folgen illegaler Einwanderung sprechen, aber wenn es ums Handeln gehe, fehle es an Taten. 'Große Worte reichen halt nicht', bemerkt Hagel dazu. Die Grünen blieben – zumindest aus seiner Sicht – beim Konkreten zu oft vage.
Dabei hat sich das Kräfteverhältnis vor der Wahl durchaus verschoben: Den letzten Umfragen zufolge liegen CDU und Grüne dicht beieinander. Ein Bündnis der beiden Parteien könnte daher weiterhin das wahrscheinlichste Szenario für die nächste Regierung darstellen. Seltsam ironisch, dass bei so viel gegenseitigem Misstrauen eine Zusammenarbeit letztlich unvermeidlich scheint.
Manuel Hagel nutzt den nahenden Wahltag gezielt, um sich und die CDU als ehrliche Option gegen einen vermeintlichen Opportunismus der Grünen und Özdemirs zu positionieren. Seine Hauptkritik: Die Aussagen des grünen Spitzenkandidaten entfernten sich auffällig von dessen Parteikurs, insbesondere im Bereich Verkehr und Automobilität – eine Kehrtwende, die Hagel für unehrlich hält. Hinzu kommt sein Vorwurf, dass den Grünen beim Migrationsmanagement konkrete Maßnahmen fehlten, was gerade jetzt, in hitzigen Zeiten, von Bedeutung sei. Beide Parteien liegen Umfragen zufolge Kopf an Kopf – der politische Schlagabtausch also alles andere als ein Nebenkriegsschauplatz. Relevant ist auch, dass Özdemirs Aussagen in einem längeren Trend stehen: Die Grünen profilieren sich zunehmend wirtschafts- und industriefreundlicher, was zu innerparteilichen Reibungen führt. Migration bleibt in Baden-Württemberg zudem ein umstrittenes Thema – laut Bauers Studie der Bertelsmann Stiftung ist die Zustimmung zu schärferen Grenzkontrollen in manchen Regionen gestiegen. In den vergangenen Tagen veröffentlichten mehrere große Medienhäuser ausführliche Berichte zu diesem Schlagabtausch, auch mit Verweisen auf die Nervosität in beiden Parteien angesichts der engen Umfragewerte. Die Entscheidungsfindung der Wählerschaft – das zeigen die letzten beiden Landtagswahlen in Ostdeutschland – bleibt bis zum Schluss volatil und schwer vorherzusagen.