Noch während ich die Pressemappe des kommenden Verkehrsgerichtstags überfliege, beschleicht mich das Gefühl: Manche Straßenregelung ist wie eine löchrige Jacke – jeder zieht daran, doch dicht wird’s nie. Manfred Wirsch vom DVR etwa redet Tacheles: Führerschein günstiger machen? Klar, aber bitte nicht auf Kosten der Lebensrettung! Eine solide Ausbildung koste nämlich zwar am Anfang, erspare aber viele Wiederholungsprüfungen.
Der Verkehrsgerichtstag ist nicht bloß ein Debattierclub, sondern so etwas wie der saisonale Boxenstopp der Verkehrssicherheits-Politik. Der DVR legt Forderungen zu fünf heißen Eisen auf den Tisch: bessere Fahrschul-Standards (inklusive eines bundesweiten Referenzlehrplans!), gezielte Nutzung von Fahrsimulatoren, selbst Online-Theorie statt nur abgenudelter Präsenzstunden. Merkwürdig vertraut und doch neu: Der Gedanke, die Schüler-Daten festzuhalten, damit beim Wechsel der Fahrlehrer niemand unter die Räder kommt.
Spannend wird’s beim 'Begleiteten Fahren': Warum nicht schon mit 16, wenn das Testprojekt BF17 so gut geklappt hat? Mangels Brüsseler Segen plädiert der DVR für ein clever erweitertes BF17, das junge Leute die Prüfungen frühzeitig ablegen und dann unter Supervision Erfahrung sammeln lässt. Wer durchhält, soll einen Bonus kriegen – sowas motiviert, vielleicht auch Eltern.
Beim Thema Ablenkung durch Smartphone am Steuer setzt der DVR auf Technik – Monocams, die wie digitale Späher an Brücken hocken, und auf PKWs, die warnen können wie nervöse Mitfahrer. Seit Sommer 2024 ist’s sogar EU-Pflicht, dass neue Autos dort unterstützen – aber Theorie und Wirklichkeit, das sind verschiedene Fahrspuren. Nicht zuletzt wird gefordert: Wer beim Unfall das Handy verdächtig oft bedient, dessen Gerät sollte ausgewertet werden.
Auch Radfahrende kriegen ihr Fett weg: 1,6 Promille auf zwei Rädern – ohne Konsequenzen? Laut DVR ein echtes Unding: Künftig soll ab 1,1 Promille Schluss sein. Parallel wollen die Expert*innen, dass schwere Unfälle und deren Daten europaweit nach einheitlichen Kriterien (MAIS 3+) erfasst werden – eine Mammutaufgabe, aber sinnvoll. Und zu guter Letzt: Wer im Ausland Verkehrsregeln bricht, soll hierzulande nicht länger lässig davonkommen. Thema Halterhaftung, ein Dauerbrenner. All das klingt nach Buchhalterei – bis ein Unfall passiert und das Leben Kopf steht.
Letztlich gilt, was der DVR betont: Vision Zero – also null Verkehrstote – bleibt große Zielscheibe, an der sich alle Bemühungen messen müssen. Nur über vernetzte, ehrliche und schlaue Wege kommt man dem Ziel näher. Und ein bisschen trial and error schadet erfahrungsgemäß nie.
Der Verkehrsgerichtstag in Goslar hebt die wachsende Kluft zwischen dem Wunsch nach kostengünstigem Führerschein und dem unbedingten Erhalt der Verkehrssicherheit hervor. Der DVR fordert unter anderem einen standardisierten, transparenten Lehrplan für Fahrschulen und die systematische Nutzung von Fahrsimulatoren – ein Trend, der bereits in einigen Nachbarländern zur Verringerung von Unfallzahlen beigetragen hat. Im aktuellen Kontext gewinnt auch das Thema digitale Überwachung an Bedeutung: Monocams und KI-gestützte Systeme sind nicht mehr bloß Zukunftsmusik, sondern werden (wie etwa in Rheinland-Pfalz) bereits im Alltag getestet. Frischere Rechercheberichte berichten über steigende Unfallzahlen mit E-Scootern und Pedelecs sowie einen signifikanten Anteil von Alkoholvorfällen unter Radfahrenden, woraufhin die verschärften Promillegrenzen beim Verkehrsgerichtstag als überfällig gelten. EU-Reformen bei Führerscheinprüfungen und grenzüberschreitender Sanktionsvollstreckung verstärken den Druck auf nationale Gesetzgeber, rasch zu handeln. Eine zentrale Erkenntnis der mittlerweile verstärkt digitalisierten Unfallstatistik-Analysen ist, dass eine höhere Datenqualität und Echtzeit-Meldungen nicht nur kostensparend, sondern auch lebensrettend sein könnten. Das Engagement für Vision Zero – keine Verkehrstoten – bleibt in der Fachöffentlichkeit unbestritten, doch der Weg dorthin bleibt voller politischer und technischer Stolpersteine.