Wenn man durch Magdeburg schlendert, stolpert man fast zwangsläufig über Initiativen, die an das uralte Stadtrecht erinnern – mal laut, mal leise. Jüngst thront ein neues Denkmal am Kleinen Werder. Hinter den Kulissen feilen Lehrkräfte und Ehrenamtliche am 'Gang des Magdeburger Rechts', einem Bildungsprojekt für Jugendliche, das Geschichte greifbar und ein bisschen eigensinnig macht. Und, das klingt erstmal kühn: Es gibt aktuelle Ambitionen, das Magdeburger Recht, dieses Vierteljahrtausend alte Konzept, bei der UNESCO als Weltdokumentenerbe anzuklopfen. Als wäre das nicht genug, existiert obendrein die skurril anmutende, aber höchst spannende Idee, das Recht als kulturelle Route quer durch Europa zu inszenieren. Auch ein Rollenspiel – ganz in mittelalterlichem Flair – entsteht. Was das alles sagt? Die Rezeption dieses alten Textes pulsiert, mal akademisch, mal spielerisch. Im Juni 2026 treffen sich Akteure aus vielen Winkeln beim Workshop des Zentrums für Mittelalterausstellungen im Adelheid-Foyer des Alten Rathauses, um ihre Projekte zu bündeln und voneinander zu lernen. Der besondere Clou: Im hybriden Rahmen wird die frisch erschienene Publikation zum Thema Magdeburger Recht in der Ukraine präsentiert, für die eigens der Bürgermeister von Horodok aus der Westukraine sein Grußwort beisteuert. Wer neugierig aufs Programm ist, findet Details unter www.mittelalterausstellungen.de.
Das sogenannte Magdeburger Recht, im Mittelalter in Magdeburg entwickelt, beeinflusste zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert die Rechtskultur von über tausend europäischen Städten – darunter in Ostmitteleuropa, im Baltikum und auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Es war weit mehr als eine trockene Gesetzessammlung: Es garantierte Bürgerinnen und Bürgern Mitbestimmungsrechte, regelte das städtische Zusammenleben und legte so die Saat für ein frühes Verständnis von kommunaler Selbstverwaltung. Die derzeitigen Projekte – von einem neuen Denkmal über den Austausch im internationalen Workshop 2026 bis hin zu der Präsentation einer neuen Broschüre über das ukrainische Erbe des Magdeburger Rechts – unterstreichen, wie vielseitig diese mittelalterliche Rechtsordnung als europäisches Bindeglied verstanden werden kann. Diversen Medienberichten zufolge wächst das Interesse an gemeinsamer Geschichte gerade auch angesichts aktueller geopolitischer Herausforderungen, wie etwa dem Krieg in der Ukraine, sodass das Magdeburger Recht neue Aktualität gewinnt. Viele Städte, etwa in Polen oder der Ukraine, greifen in der Auseinandersetzung mit demokratischen Werten erneut auf dieses europäisch geteilte Erbe zurück. Dies betonen unter anderem Beiträge jüngst in der ZEIT und in verschiedenen Fachmagazinen. Ein weiterhin aktueller Diskurs, der alte Ideen plötzlich ganz neu auflädt.