Wie Zoos zum Schutz bedrohter Feuchtgebiete beitragen

Feuchtgebiete sind ein wenig beachteter Schatz der Natur – echte Multitalente, wenn man mal genau hinschaut. Sie federn Überschwemmungen ab, filtern Schadstoffe und liefern Lebensraum für eine atemberaubende Zahl an Arten. Doch sie sind bedroht wie nie: Obwohl sie etwa 40 Prozent aller Tiere und Pflanzen beherbergen, schrumpfen sie erschreckend schnell.

heute 13:10 Uhr | 4 mal gelesen

Wenn ich an Moore oder Wattenmeer denke, frage ich mich oft, wie wenig wir diese Lebensräume tatsächlich auf dem Schirm haben. Dabei sind sie wahre Hotspots der Biodiversität. Über 35 Prozent der Feuchtgebiete sind in den vergangenen fünf Jahrzehnten verschwunden – und mit ihnen eine Vielzahl von Tierarten. Volker Homes vom Verband der Zoologischen Gärten bringt es auf den Punkt: Verlieren wir Feuchtgebiete, verlieren wir die Grundlage für künftiges Leben, nicht nur hübsche Postkartenlandschaften. Forscher und Zoos nehmen diese Entwicklung zum Anlass, ganz konkret zu helfen. Ein Beispiel? Die Europäische Sumpfschildkröte. Früher fast aus unseren Breiten verschwunden, wird sie mittlerweile in verschiedenen Zoos gezüchtet und in naturnahe Tümpel und Moore entlassen – ein Zusammenspiel von Zookompetenz, Naturschutzbehörden und Umweltschützern. Nicht anders sieht es bei der Gelbbauchunke oder dem Großen Brachvogel aus. Selbst Arten, die nach 'Alltag' klingen, stehen plötzlich auf der Kippe, ihre sanften Stimmen in den Mooren drohen zu verstummen. Zoos haben ihre Augen jedoch nicht nur auf die heimische Flora und Fauna gerichtet. Am anderen Ende der Welt, in Südamerika, fanden Riesenotter dank Unterstützung europäischer Tierparks erneut ein Zuhause. Acht Otter aus Europa und einer aus den USA konnten im argentinischen Iberá-Nationalpark angesiedelt werden, wo 2025 erstmals eine Otterfamilie ausgewildert wurde. Dass solche Projekte funktionieren, liegt nicht zuletzt an der internationalen Vernetzung und daran, dass Zoos heute als Wissenszentren auftreten, in denen Schutz, Forschung und Nachwuchszucht Hand in Hand gehen. Ein wenig überraschend: Flamingos – häufig unterschätzte, rosafarbene Schönheiten – sind die neuen Poster-Children der EAZA-Kampagne „Wetlands for Life“. Die Kampagne läuft über zwei Jahre und legt den Fokus auf die unverzichtbare Rolle von Feuchtgebieten. Denn sobald diese spezialisierten Habitate verschwinden, geraten selbst anpassungsfähige Vogelarten in Bedrängnis. Übrigens feiert die Ramsar-Konvention, die Mutter aller Feuchtgebiete-Abkommen, bald ihr 55-jähriges Bestehen – gut, sich daran zu erinnern, worauf unsere Artenvielfalt fußt.

Moderne Zoos engagieren sich aktiv für den Schutz und die Wiederherstellung von Feuchtgebieten, indem sie bedrohte Tierarten züchten, forschen und in Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen wiederauswildern. Projekte wie die Nachzucht und Auswilderung der Europäischen Sumpfschildkröte sowie die Wiederansiedlung der Riesenotter in Argentinien zeigen, dass sich Artenschutz mit konkreten Handlungen vor Ort verbinden lässt. Laut aktuellen Medienberichten werden die Bemühungen von Zoos durch internationale Kampagnen wie „Wetlands for Life“ unterstützt, wobei die Sensibilisierung der Bevölkerung und Biodiversitätsförderung gleichermaßen im Fokus stehen. Die Bedeutung von Feuchtgebieten wird außerdem durch den Welt-Feuchtgebietetag und das bevorstehende Ramsar-Jubiläum hervorgehoben, während neue Forschungsdaten die beschleunigte Vernichtung und Fragmentierung von Feuchtarealen bestätigen. Zeitgleich setzen Initiativen wie Renaturierungsprojekte und politische Maßnahmen gegen die zunehmende Zerstörung an, denn zahlreiche Studien der letzten Jahre bestätigen: Seen, Moore und Auen sind zentrale Puffer gegen Klimakrisen und Wassermangel.

Schlagwort aus diesem Artikel