Winfried Hermann kritisiert Militarisierung und fordert mehr Diplomatie bei Grünen

Eher selten mischt sich ein grüner Spitzenpolitiker unter die Demonstranten bei den Ostermärschen – Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann wagt es trotzdem. Seine Stimme für den Frieden hebt er dabei ganz bewusst gegen den grünen Mainstream.

heute 10:52 Uhr | 4 mal gelesen

Winfried Hermann, Verkehrsminister in Baden-Württemberg und ein Urgestein der Grünen, hat angekündigt, an diesem Ostersamstag als Redner beim ‚Friedensbündnis Freudenstadt‘ in Alpirsbach aufzutreten. In einem Interview mit den Funke-Zeitungen sprach er offen seine Sorge über die weltweite Militarisierung aus – und nannte die Angriffskriege von Russland, Israel und den USA beim Namen. Selbst intern fallen seine Ansichten zunehmend aus dem Rahmen: „Pazifisten sind in unserer Partei schon lange nicht mehr die Mehrheit“, gibt Hermann zu, ohne große Umschweife. Die Forderung, allein Solidarität mit Angegriffenen zu zeigen, reicht ihm nicht. Für ihn heißt Frieden nicht: ‚klare Kante zeigen‘ und aufrüsten. Sondern: Diplomatie stärken und den Gedanken an Friedenspolitik im Grundgesetz ernst nehmen. Hermann warnt vor völkerrechtswidrigen Angriffen, etwa von Israel und den USA gegen Iran oder im Libanon – und vor den Folgen für die Zivilbevölkerung. Für ihn setzt die Friedensbewegung ein deutliches Zeichen gegen internationale Militärinterventionen und autoritäre Regimes. Manche mögen seine Position für aus der Zeit gefallen halten – aber sie wirkt wie ein Stachel in der grünen Debatte um Krieg, Waffenlieferungen und internationale Politik.

Hermanns Haltung sorgt für Kontroversen – insbesondere, da die Grünen zunehmend für militärisches Engagement stehen und sich vom rein pazifistischen Image entfernt haben. Sein Eintreten für eine aktivere Friedenspolitik steht im Kontrast zu den Forderungen der Parteiführung, mehr Solidarität mit angegriffenen Staaten wie der Ukraine zu zeigen. Die aktuelle Debatte um den Umgang mit globalen Krisen und Kriegen verdeutlicht auch den innerparteilichen Konflikt der Grünen zwischen Realpolitik und ihren pazifistischen Wurzeln. Jüngst gab es medienwirksame Ostermärsche in Deutschland, bei denen die Teilnehmerzahlen unterschiedlich eingeschätzt wurden, aber die Friedensbewegung dennoch ein Zeichen gegen Aufrüstung und für Diplomatie setzen wollte. Auch angesichts des aktuellen Nahost-Konflikts, der Lage in der Ukraine und weltweiten Spannungen wendet sich Hermann gegen eine rein militärische Logik und fordert einen stärkeren Kurswechsel bei den Grünen, der auf Dialog und Verständigung setzt. In verschiedenen Leitartikeln großer Medien wird aktuell die Spaltung innerhalb der Grünen zwischen „Realos“ und den wenigen verbliebenen Pazifisten wie Hermann intensiv diskutiert.

Schlagwort aus diesem Artikel