Wirtschaftsaussichten runtergestutzt: Der Sachverständigenrat übt sich in Vorsicht

Deutschlands Top-Ökonom:innen stellen sich auf trübe Zeiten ein und passen ihre Erwartungen nach unten an. Das Frühjahrsgutachten, frisch auf den Tisch gelegt, sieht weniger Aufschwung als noch vor einigen Monaten gedacht.

heute 10:02 Uhr | 2 mal gelesen

Noch vor Kurzem klang es fast schon zaghaft optimistisch: Der Sachverständigenrat rechnete mit knapp 0,9 Prozent Wachstum für 2024. Jetzt fährt das Gremium die Prognose auf magere 0,5 Prozent herunter. Fürs nächste Jahr: auch nur leicht mehr, nämlich 0,8 Prozent. Und als wäre das alles nicht schon unschön genug, sorgen globale Krisen wie der Konflikt im Iran für zusätzlichen Gegenwind. Die schon angespannte Lage – insbesondere bei den Energiepreisen – wird so zum echten Stolperstein für die deutsche Konjunktur. Was aber oft untergeht, ist die schleichende Belastung durch den demografischen Wandel. Die Bevölkerung altert, die Beitragszahler schwinden, während die Ausgaben etwa in Renten- oder Krankenversicherung munter zulegen. Mit anderen Worten: Die Sozialabgaben könnten bald in schwindelerregende Höhen klettern – Schätzungen zufolge bis knapp an die 50 Prozent-Marke in rund 15 Jahren. Dramatisch? Irgendwie schon, denn streng genommen bedeutet das: Das Einkommen der Menschen schrumpft, die Lust (oder Möglichkeit) zu konsumieren auch. Rat wissen die Wirtschaftsweisen trotzdem: Für die Krankenversicherung sieht man zum Beispiel Reformbedarf in Krankenhäusern und bei Medikamenten. Pflegeleistungen sollen realistischer ausfallen und teils anders finanziert werden. Und klar, das Ganze soll am Ende zwischen den Generationen fairer verteilt werden. Währenddessen lässt die Inflation nicht locker – angeheizt durch Energiepreise. Die Prognose liegt bei drei Prozent, nächstes Jahr ein kleines bisschen weniger. Klingt nicht wild, schmerzt aber in der Realität, erst recht für Unternehmen, deren Möglichkeiten zu investieren weiter erodieren.

Das Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrates signalisiert einen deutlichen Pessimismus bezüglich Deutschlands Wirtschaftskraft: Ursachen sind vor allem geopolitische Krisen, insbesondere die Auswirkungen des Iran-Konflikts auf die Energiepreise, und die zunehmende Belastung durch Sozialausgaben. Experten halten weitere Reformen im Bereich der Sozialversicherungen und der Krankenversorgung für unumgänglich, um die Situation aufzufangen und die finanziellen Risiken zwischen den Generationen gerechter zu verteilen. Ergänzend dazu wurde am 12. Juni 2024 im Handelsblatt berichtet, dass die anhaltenden Streiks in diversen Branchen, unterbrochene Lieferketten und verschleppte Investitionen das deutsche Wirtschaftsklima weiter eintrüben – die Strukturprobleme etwa im Mittelstand verstärken die Unsicherheit zusätzlich. Außerdem gibt es laut der Süddeutschen Zeitung vom 12. Juni 2024 wachsende Kritik an der Bundesregierung, die zwar an milliardenschweren Klimaprojekten festhält, dabei aber Unternehmen und Haushalte mit den steigenden Energiekosten zunehmend belastet sieht. Die „FAZ“ hebt aktuell hervor, dass innovative Start-ups und junge Unternehmen infolge der schwierigen Finanzierungslage zusehends ins Ausland abwandern, womit dem Wirtschaftsstandort Deutschland entscheidende Wachstumsimpulse verloren gehen.

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