Ehrlich gesagt, überrascht es mich kaum, was IG-BAU-Chef Robert Feiger jetzt ans Licht zerrt: Laut aktuellen Berechnungen kommt der Wohnungsneubau 2024 nicht einmal an die Hälfte des Notwendigen heran – die magische Grenze von 400.000 Wohnungen sei in weiter Ferne, vielleicht sogar unerreichbar. Feiger beruft sich auf branchenspezifische Indikatoren wie Vorbestellungen von Material und Stimmen aus der Bauwirtschaft – alles führt auf einen massiven Nachfragerückgang hinaus. Dabei, und das macht die Sache so brisant, fehlen nicht einfach nur mehr Wohnungen. Es sind vorrangig günstige und soziale Wohnungen, die auf der Strecke bleiben – das Rückgrat für Arbeitsmärkte, Zuwanderung und letztlich auch eine mittel- bis langfristig lebensfähige Gesellschaft.
Was viele gar nicht bedenken: Der Wohnungsmarkt ist ein Wirtschaftsmotor, ob man will oder nicht. Laut Feiger hängen nicht nur Millionen Jobs und ein spürbarer Anteil der Bruttowertschöpfung direkt daran – die versprochene Wirtschaftswende der Bundesregierung bleibt ohne Neubau ein Papiertiger. Feiger fordert, nicht zuletzt mit Blick auf den anstehenden Wohnungsbau-Tag in Berlin, dass Wohnen Chefsache der politischen Agenda werden muss, und zwar sofort. Überraschend? Eigentlich nicht. Aber vielleicht ist es genau dieser Druck, der langsam Bewegung in die verfahrene Lage bringen könnte. Alles andere wäre – schon wieder – ein verpasstes Jahrzehnt auf dem deutschen Wohnungsmarkt.
Die IG BAU warnt: Der Wohnungsneubau in Deutschland bricht weiter massiv ein – ein historischer Tiefpunkt unter 200.000 Wohnungen pro Jahr droht. Besonders kritisch ist, dass vor allem preisgünstige und Sozialwohnungen fehlen, was sowohl den Arbeitsmarkt als auch die dringend notwendige Zuwanderung von Fachkräften erheblich beeinträchtigt. Die Gewerkschaft sieht eine dramatische Wechselwirkung: Ohne nachhaltigen Wohnungsneubau fehlt der Wirtschaft ein essenzieller Treiber, was die Aussichten auf konjunkturellen Aufschwung und die erfolgreiche Transformation der Wirtschaft weiter schmälert. Die Bundesregierung steht unter wachsendem Druck, das Ruder herumzureißen– konkrete Lösungen wie staatliche Förderprogramme, die Erleichterung von Baugenehmigungen und die Priorisierung sozialer Wohnprojekte werden aktuell intensiv diskutiert und presseweit eingefordert.
Zudem schlagen aktuell auch mehrere große Wirtschaftsverbände Alarm und warnen vor wachsender sozialen Ungleichheit durch explodierende Mieten und fehlenden Wohnraum. Der Wohnungsbau-Tag in Berlin wird von der Branche mit Spannung erwartet, mit der Hoffnung auf politische Initiativen. Die Krise im Wohnungsbau spiegelt und verstärkt so weitergehende Herausforderungen, von der schwächelnden Binnenkonjunktur bis zu den Folgen der demographischen Entwicklung.