Das Krasse: Zwar hielt sich die Einschätzung der aktuellen Lage leicht besser – mit -62,9 Punkten immerhin drei Zähler über dem Vormonat. Doch das ist ehrlich gesagt nur ein magerer Trost. ZEW-Präsident Achim Wambach bringt es ziemlich nüchtern auf den Punkt: Der Krieg im Nahen Osten lasse die Energiepreise explodieren, schürt die Inflation und könnte damit die (noch so zarte) ökonomische Erholung in Deutschland wieder ausbremsen. Wie heftig die Auswirkungen wirklich werden, hängt zwar davon ab, wie lange und intensiv der Konflikt tobt – aber wer wagt schon die Prognose, dass morgen alles vorbei ist? Die Finanzmarktexperten jedenfalls glauben nicht recht an ein schnelles Ende.
Ein Lichtblick? Kaum zu finden. Insbesondere die energiehungrigen Industrien bekommen die Unruhe zu spüren: Ob Chemie, Pharma (beide -43,6 Punkte im Vergleich zum Februar), Automobil (-34,3) oder Maschinenbau (-35,5) – überall verdüstert sich die Lage. Bei Stahl, Metall oder Bau geht es ähnlich bergab; Letzteres könnte auch an der leisen Furcht vor steigenden Bauzinsen liegen. Und fast 80 Prozent der Fachleute rechnen inzwischen fest mit mehr Inflation, nicht nur bei uns, sondern in der ganzen Eurozone.
Auch für den Euroraum fährt das ZEW-Stimmungsbarometer Achterbahn: Das Erwartungs-Minus von -8,5 Punkten markiert einen heftigen Absturz (fast 48 Punkte weniger als im Februar). Der Lageindikator stürzt regelrecht ab auf -29,9 (minus 16,3 zum Vormonat).
Die jüngsten Zahlen des ZEW-Barometers zeigen deutlich: Die Energiepreise kennen derzeit kaum Halt, was die ohnehin fragile Lage der deutschen Industrie zusätzlich ins Wanken bringt. Breite Branchen – vor allem in Bereichen, die besonders viel Energie benötigen – geraten unter Druck, und nicht nur die aktuelle wirtschaftliche Lage, sondern auch die Erwartungen für die gesamte Eurozone kippen ins Negative. Laut Berichten aus taz und FAZ sind die Märkte in Europa generell beunruhigt, zumal der Nahost-Konflikt weiter eskaliert und weder bei den Energiepreisen noch beim Inflationsdruck Entspannung absehbar ist. Manche Experten hoffen zwar, dass die Notenbanken mit überlegten Schritten reagieren, aber Planungssicherheit gibt es derzeit praktisch nicht. Insgesamt überwiegt eine Mischung aus Sorge und Frustration – sowohl bei Unternehmen als auch an den Finanzmärkten. Recherchiert man weiter, lässt sich festhalten: Neben dem ZEW zeigen auch aktuelle Umfragen wie der ifo-Index ähnliche Trends, und insbesondere die Automobil- und Chemieindustrie hoffen nach wie vor auf Unterstützungspakete der Regierung. Ferner kristallisiert sich heraus, dass kleine und mittlere Unternehmen besonders zu kämpfen haben, weil sie weniger Puffer für Preisschocks haben und teils Investitionen auf Eis legen. Hoffnung geben manche Firmenchefs dennoch nicht auf: In Interviews (u.a. bei Krautreporter und taz) berichten sie von pragmatischen Lösungen wie Kurzarbeit und verstärkter Forschung an energieeffizienteren Prozessen, um irgendwie durch diese unsichere Zeit zu kommen.