Man könnte meinen, all die Schlagworte über Lieferketten seien irgendwann durch, aber die Realität frisst sich tiefer hinein: Im Mai berichteten 15,9 Prozent der deutschen Industriebetriebe von Engpässen bei wichtigen Vorprodukten. Noch im April lag diese Zahl bei 13,8 Prozent, ein Sprung, den das Ifo-Institut jetzt gemeldet hat. Besonders scheint die Chemiebranche zu ächzen – fast ein Drittel der Unternehmen dort schlägt Alarm. Aber auch Gummi- und Kunststoffhersteller sowie weite Teile der Elektroindustrie spüren die Knappheit schmerzhaft: Hier kletterten die Quoten der Betroffenen auf 23,7 beziehungsweise rund 25 Prozent. Vergleichsweise glimpflich kommt die Autobranche davon, jedenfalls im Moment, mit 10 Prozent noch im grünen Bereich.
Was aber seltsam anmutet: Konsumnahe Sektoren wie die Getränkeindustrie berichten praktisch keine Engpässe – Produkte gibt’s. Bei Nahrungsmitteln sieht’s etwas anders aus, doch mit 6,9 Prozent Ausfällen droht zumindest kein Supermarktchaos. Ob dieser Zustand hält? Schwer zu sagen, aber im Vergleich zu dem, was vor 2020 als „normal“ galt (da meldeten nur 5 Prozent Industrie-Engpässe), ist die aktuelle Situation alles andere als beruhigend. Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut meint dazu: Ja, es könnte gut passieren, dass manche Unternehmen ihr Produkttempo drosseln müssen. Ein Satz, der nachhallt.
Die Materialknappheit zieht sich wie ein roter Faden durch verschiedene Branchen der Industrie, am stärksten aber trifft es die chemische Industrie sowie Gummi-, Kunststoff- und Elektrohersteller. Experten wie Klaus Wohlrabe sehen eine bedenkliche Entwicklung, da die Quoten betroffener Firmen im Vergleich zu früheren Jahren hoch bleiben, was weiterhin zu gedrosselter Produktion führen könnte. Die Gründe liegen in anhaltenden globalen Lieferkettenproblemen, verstärkt durch geopolitische Spannungen und steigende Energiepreise, während konsumorientierte Sektoren bislang noch weniger betroffen sind.
Weitere neuere Quellen betonen inzwischen, dass die Unsicherheit durch Kriege, gestiegene Transportkosten und vor allem hohe Energiepreise die Industrie zusätzlich schwächen. Laut aktuellen Analysen (taz, Zeit, Spiegel) ist auch keine kurzfristige Entspannung in Sicht; vielmehr setzen Unternehmen teils auf noch schlankere Lagerhaltung und versuchen, alternative Bezugsquellen oder Recyclingmethoden einzubauen.