80 Jahre CARE-Paket: Zwischen Spurensuche und Appell für globale Solidarität

Bonn – Am 15. Juli 1946 legte das Frachtschiff „American Ranger“ in Bremerhaven an und brachte mehr als 36.000 CARE-Pakete in ein Deutschland voller Unsicherheit und Hunger. Etwa 20 Kilogramm Hoffnung – in Form von Milchpulver, Zucker, Fett. Für viele bedeutete das: überleben, dank unbekannter Hände aus Übersee.

heute 11:42 Uhr | 4 mal gelesen

"Ganz ehrlich – als Kind nach einem Krieg, in einer ausgebombten Stadt, brauchst du eigentlich keine großen Worte. Die Erinnerung an das allererste CARE-Paket? Unvergesslich. Da lag plötzlich ein Päckchen auf dem Küchentisch, und ich wusste: Heute gibt’s Konservenfleisch. Für eine ganze Woche kein Bohnenkaffee, sondern echter, satter Geschmack – das sagt Franz Müntefering, ehemaliger Bundesminister und Vizekanzler, wenn er an 1946 denkt.

22 amerikanische Wohlfahrtsverbände gründeten damals CARE, um das zerstörte Europa irgendwie wieder zum Lächeln zu bringen. Innerhalb weniger Jahre wurden daraus über 100 Millionen gesendete Pakete – zehn Millionen allein nach Deutschland. Die Berliner Luftbrücke? Kaum bekannt: Sechs von zehn privaten Hilfspaketen kamen damals von CARE. Fast 1.000 Sendungen steckten am Tag voller nützlicher Dinge: Kleidung, Werkzeug, Essen.

Anita Stapel aus Berlin, damals fast verhungert, beschreibt, wie sie 1949 ein CARE-Paket durch die halbe Stadt schleppte: „Es war schwerer als ich. Als ich’s aufmachte, war es wie Weihnachten und Ostern zusammen. Und das ausgerechnet von ehemaligen Feinden – unfassbar.“

Jene Zeitzeugen werden immer weniger. Trotzdem bleibt der Geist dieser Solidarität aktuell – vielleicht drängender denn je. Mittlerweile gibt es laut UN schätzungsweise über 117 Millionen Geflüchtete weltweit. Die Zahl wächst, während das globale Interesse abnimmt. Budgets für humanitäre Hilfe schrumpfen auf schmerzliches Minimum. Das sagte auch Prof. Dr. Claudia Warning, Präsidentin von CARE Deutschland: „Sogar Deutschland hat die Gelder für Entwicklungshilfe seit 2022 drastisch gekürzt – um fast ein Drittel, bei humanitärer Hilfe sogar um 70 Prozent.“

Das Resultat: Viele Hilfsprogramme werden entweder ausgedünnt oder ganz abgedreht. Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE Deutschland, schildert: „Gerade lokalen Partnerorganisationen bricht der Boden weg. Wenn die wegfallen, passieren Katastrophen in halber Stille – Beispiel Ebola-Ausbruch im Kongo. Ohne Frühwarnsysteme bricht alles zusammen, und wieder trifft es besonders Frauen und Mädchen: Sie verlieren Schutz, Versorgung und Bildung. Das sind Sparmaßnahmen, die Krisen von morgen basteln.“

80 Jahre nach Beginn des ersten CARE-Pakets bleibt die Forderung: Humanität endet nicht an Landesgrenzen. Es braucht einen echten Neuanfang in Sachen Mitgefühl und Solidarität – für Menschen in Not, weltweit.

Hinweis für Medien: Historische und moderne Infos, Archivbilder und mehr zum CARE-Paket finden sich hier (unter Beachtung von Copyright CARE Deutschland). Interviews mit Zeitzeuginnen oder Empfängern sind auf Anfrage möglich.

CARE wurde als Reaktion auf Hunger und Not in Europa gegründet – heute kämpft die Organisation international in über 100 Ländern gegen Armut, oft mit Fokus auf humanitäre Soforthilfe, Geschlechtergerechtigkeit und Klima. Deutschland ist mit CARE seit 1980 fest verankert: Hauptsitz Bonn, Büro in Berlin, Netzwerk global.

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CARE Deutschland e.V.
Uta Gaiser-Hood
Mobil: +49 (0) 179 100 17 19
E-Mail: gaiserhood@care.de

Redaktionelle Quelle: CARE Deutschland e.V. via news aktuell

http://ots.de/605029

Das CARE-Paket ist mehr als nur ein Karton mit Lebensmitteln – es ist zum Symbol für Menschlichkeit im Angesicht von Not geworden. Ursprünglich als Reaktion auf die Hungersnot in Nachkriegsdeutschland gestartet, hat CARE seither weltweit Hunderten Millionen Menschen Unterstützung und Hoffnung gebracht. Heute steht die Organisation vor neuen Herausforderungen: Weltweit steigen Not und Fluchtbewegungen, während die finanziellen Mittel für Hilfe drastisch schrumpfen – auch von Seiten traditioneller Geber wie Deutschland und den USA (der Etat für Entwicklungszusammenarbeit wurde seit 2022 in Deutschland um ein Drittel, für humanitäre Hilfen sogar um 70% reduziert, siehe [Tagesschau]). Zeitgleich nimmt das öffentliche Interesse an humanitären Katastrophen ab, sodass viele Krisen – etwa im Sudan, Jemen oder bei Ebola-Ausbrüchen – schlicht übersehen werden (vgl. [Spiegel, 12.7.2024]). CARE warnt, dass besonders lokale Partnerorganisationen unter den Kürzungen leiden und Versorgungslücken entstehen, die die am stärksten Benachteiligten – häufig Frauen und Kinder – am härtesten treffen. Die Organisation fordert deshalb eine Rückkehr zu mehr Empathie, Solidarität und eine gesicherte, nachhaltige Finanzierung der Hilfe – denn die Krisen von heute sind oft die Saat für die Katastrophen von morgen.

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