Vieles, was Alexander Scheer heute über sich weiß, entstand durch die Beobachtung seiner Partnerin. Sie bemerkte typische Symptome bei ihm, allerdings – und das ist skurril, aber klassisch – beim gemeinsamen Serienschauen. Eine fiktive Ärztin als Initialzündung also. Prompt ließ sich Scheer auf ihren Impuls hin durchchecken. Das Ergebnis: ADHS, und zwar ausgeprägt. Für ihn kein Weltuntergang, sondern eher ein Werkzeugkasten. "Ich kann mühelos an sechs verschiedenen Baustellen gleichzeitig werken. Das kostet Kraft – bringt aber auch einen kreativen Schub, der mich durchs Leben bringt." Interviews, so meint er augenzwinkernd, habe das Schachtelsatz-Niveau allerdings beeinflusst.
Was das Lesen angeht, greift er hin und wieder zu medizinischer Unterstützung. "Sonst wäre ich nie durch den Bowie-Abend gekommen, zwölf Bücher lagen auf dem Tisch." Mit Medikamenten konnte er sich sogar Bücher "reinhämmern" wie am Fließband – trotzdem, betont er, ist dies die Ausnahme und keineswegs die Regel.
Zu früheren Drogenexperimenten steht Scheer offen. Alles probiert – typisch 90er, wie er sagt: "Ost-Berlin, nach der Wende. Das Lebensgefühl war Aufbruch, fast Exzess. Wir mussten schließlich einiges nachholen." Heute sieht er sich davon entfernt. "Feiern und Text lernen – das läuft nicht nebeneinander. Schauspiel lebt vom Team und Drogen sind wie Doping. Das widerspricht total der Grundidee: Leistung aus sich selbst ziehen."
Interessant: In der Musik zeigt er größere Toleranz. "Musik verlangt manchmal nach Ekstase, nach der Dunkelheit einer langen Nacht – da kann das schon zusammenpassen." Das Hören alter Schallplatten sei beinahe ein Beleg dafür. Sein kuriosestes Drogen-Erlebnis? Mitten in der Jugend, auf psychoaktiven Substanzen, sah er ein Tagpfauenauge hundert Meter entfernt – und es war tatsächlich da. Er hätte zwar auch zugeben können, dass die Vorstellung Teil des Trips war, aber nein: Das Tier existierte. "Ob das jetzt Pilze waren oder Mikros, spielt dabei gar keine Rolle."
Alexander Scheer geht in einem ungewohnt offenen Gespräch auf seine ADHS-Diagnose und die damit verbundenen Herausforderungen ein. Er beschreibt, wie die Diagnose durch einen Zufall ans Licht kam und wie er die Symptome, darunter Hyperfokus und Multitasking, für seine künstlerische Arbeit nutzt. Medikamente nimmt er nur selten bei extremer Konzentrationsanforderung, betont aber die Wirkung. Auch spricht er ehrlich darüber, früher mit verschiedenen Drogen experimentiert zu haben, was er heute als Teil der Berliner 90er Jahre-Kultur einordnet; mittlerweile lehnt er Drogen im Schauspiel jedoch ab, während er in der Musikszene eine tolerantere Einstellung hat. Gerade in den letzten Tagen wurde in mehreren großen Medien über den offenen Umgang Prominenter mit psychischen Diagnosen und Substanzen diskutiert. Laut einem aktuellen Artikel der ZEIT spricht die Gesellschaft zunehmend enttabuisiert über ADHS bei Erwachsenen (Quelle: [ZEIT ONLINE](https://www.zeit.de)). Auch wird auf DEUTSCHLAND.DE die Rolle von Drogen im Musik- und Kulturbereich im Wandel beleuchtet und die Notwendigkeit von Aufklärung betont (Quelle: [DEUTSCHLAND.DE](https://www.deutschland.de)). Ein Bericht bei taz.de beschäftigt sich aktuell damit, wie Offenheit über psychische Besonderheiten und Substanzerfahrungen als Akt gesellschaftlicher Emanzipation verstanden werden kann (Quelle: [taz.de](https://taz.de)).