Allensbach-Umfrage: Neues Interesse an der FDP wächst – aber reicht es?

Eine frische Erhebung legt offen: Die FDP kann bei den Wählern wieder vorsichtig punkten.

vor 49 Minuten | 2 mal gelesen

Das renommierte Meinungsforschungsinstitut Allensbach hat für die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' ermittelt (Donnerstagsausgabe), dass das Potential für die FDP in der deutschen Wählerschaft einen kleinen Aufschwung erlebt. Sogenannte 24 Prozent der Befragten finden, dass die FDP im politischen Alltag durchaus gebraucht wird. Über ein Vierteljahrhundert schwankte dieser Wert wild zwischen einem Minimum von 18 und einem Hoch von stolzen 41 Prozent – das Tief wurde übrigens während des Niedergangs der Ampel-Koalition durchschritten. Heutzutage gibt fast jeder Fünfte an, dass der Einzug der FDP ins Parlament ihnen tatsächlich wichtig ist – dieser Wert zeigt in jüngerer Zeit sogar wieder vorsichtigen Aufwärtstrend.

Was das allgemein verfügbare "FDP-Potential" angeht (Menschen, die sich vorstellen können, bei einer Wahl FDP anzukreuzen – egal ob Bundestag, Landtag oder im Rathaus): Hier stehen aktuell 22 Prozent bereit. Das ist kein landesweiter Querschnitt – vielmehr kommen die FDP-Offenen auffällig oft aus Westdeutschland, den besserverdienenden Schichten und, wenig überraschend, früheren FDP-Wählern.

Interessant fand ich die Überlagerung mit dem "liberalen Potenzial". Immerhin 31 Prozent meinen, dass eine liberale Partei aus dem Spektrum nicht wegzudenken ist – ein Wert, der sich erstaunlich gleichmäßig durch Alter und soziale Hintergründe zieht. Aber, und das ist keine Kleinigkeit: Die Erwartungshaltung an eine liberale Partei knallt mit dem, was die FDP real macht, ziemlich hart zusammen. Beispiel: 71 Prozent denken, eine liberale Partei müsse für solide Finanzpolitik stehen, wenn man aber nachfragt, trauen das nur 38 Prozent der FDP zu. Bei Bildung, Innovation und Forschung sieht es sogar noch düsterer aus. Die Umfrage wurde übrigens vom 18. bis 30. April persönlich geführt – 1.015 Menschen gaben Auskunft.

Die aktuelle Allensbach-Studie bescheinigt der FDP ein leicht wachsendes Wählerpotential, das vor allem von Westdeutschen, Besserverdienenden und ehemaligen FDP-Wählern getragen wird. Trotz dieses leichten Aufwindes bleibt das Partei-Image unter den Erwartungen: Während viele Befragte einer liberalen Partei solide Haushaltsführung, Innovationsförderung und Bildungsreformen wünschen, verbinden nur wenige diese Themen aktuell mit der FDP. Die jüngsten politischen Kontroversen im Bund, etwa im Zusammenhang mit dem Haushaltsstreit und der Debatte über das Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts, setzen die Partei weiterhin unter Druck; daneben zeigt sich eine generelle Unsicherheit in der politischen Mitte, von der die FDP mittelfristig profitieren könnte. Zusätzlich sind Union, Grüne und SPD derzeit mit starken innerparteilichen Diskussionen konfrontiert, was Veränderungen im politischen Kräftefeld ermöglichen könnte. Aus Recherchen auf Spiegel Online, Zeit, und FAZ wird zudem deutlich: Das politische Klima ist aktuell stark polarisiert – die FDP kann davon profitieren, muss aber ihre Kernthemen glaubwürdiger besetzen, um die wachsende Skepsis im Wählerlager zu überwinden.

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