Stegner springt Kubicki bei: Kein Rechtspopulist, aber gefährliches Spiel

SPD-Politiker Ralf Stegner verteidigt FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki vor dem Vorwurf, er wolle der FDP einen AfD-Anstrich verpassen. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung wirft Stegner Kubicki zwar riskantes Flirten mit rechtspopulistischer Rhetorik vor, nimmt ihm aber die Grundhaltung eines Rechtsstaatsverfechters ab.

21.05.26 07:10 Uhr | 32 mal gelesen

Wolfgang Kubicki und die Debatte: Mal wieder ein Balanceakt am Rande des guten Geschmacks. Stegner gibt ehrlich zu, dass Kubicki gelegentlich merkwürdige 'Abzweigungen' im Diskurs nimmt. Dennoch bleibe er klar auf dem Boden des Rechtsstaats, was heutzutage schon fast als politischer Ritterschlag gilt. Das Vertrackte: Wer sich als Nicht-Rechtspopulist den Ton von Rechtspopulisten leiht, öffnet eine Brandtür für Missverständnisse – kann aber damit am Ende die eigene Partei wiederbeleben, meint Stegner. "Vielleicht wäre die AfD dann etwas kleiner, wenn mehr Politiker mit Kubickis Temperament in normalen Parteien unterwegs wären", sinniert er. Sollte Kubicki tatsächlich zum FDP-Chef gewählt werden, traut Stegner der FDP ein schönes Comeback zu – weil Kubicki ja immer schon in Schleswig-Holstein extra Prozente gesammelt hat. Viel braucht’s nicht, um über die symbolische Fünf-Prozent-Brücke zu tanzen. Im Grunde kommen hier Zweifel, Hoffnung und eine Prise Ironie dicht zusammen.

Stegner unterscheidet klar zwischen Kubickis rebellischem Stil und der politischen Substanz – Kubicki, so Stegner, überschreitet zwar rhetorisch Grenzen, doch sein Bekenntnis zum Rechtstaat ist für Stegner unbezweifelbar. Gleichzeitig warnt der SPD-Mann vor der Gefahr, wenn Politiker sich populistischer Begrifflichkeiten bedienen: So könne Vertrauen verspielt, aber auch ein Teil des abgewanderten Wählerpotenzials zurückgewonnen werden. Angesichts der angespannten Situation für die FDP sieht Stegner in Kubicki einen Hoffnungsträger, der mit seiner speziellen Art der Partei helfen könnte, die Fünf-Prozent-Hürde bundesweit zu meistern. — In den letzten 48 Stunden haben verschiedene Medien ausführlich über die Verwerfungen und Richtungsdebatten innerhalb der FDP berichtet sowie über die Rolle, die schillernde Figuren wie Kubicki im aktuellen politischen Diskurs spielen. Auch Stimmen aus der Opposition und Wissenschaft mahnen, dass populistische Rhetorik langfristig politische Kultur und Vertrauen beschädigen kann. Trotz der Kontroversen sieht ein Teil der Kommentatoren die FDP mit einer charismatischen Führungsperson eher gestärkt als geschwächt.

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