Früher hat man vielleicht zuerst auf die Quadratmeter oder die Lage geschaut, heute tickt der Markt anders: Die Energieeffizienz ist vielerorts zum heimlichen Star avanciert – gerade nach den Energiekrisen-Jahren. Wer ein Haus oder eine Wohnung mit der besten Klassifizierung (A+) anbieten kann, verlangt im bundesweiten Schnitt rund ein Fünftel mehr als bei Objekten aus dem soliden Mittelfeld (Klasse D). Um das Schwarz-Weiß klarer zu sehen, hat immowelt sich explizit nur auf jene Eigenschaften konzentriert, die mit dem Energiestandard verknüpft sind – sprich, Lage und Ausstattung rausgerechnet. Interessant, wie stark der Preis dadurch schwankt.
Immowelt-Geschäftsführer Theo Mseka bringt es auf den Punkt: Häuser mit mauer Effizienz geraten stark unter Druck, während Top-Immobilien förmlich nach oben katapultiert werden. Bei ganz schlechten Einfamilienhäusern der Klasse H liegt der Angebotspreis im Mittel 17 Prozent unter den Objekten mit D-Label. G, F – auch die müssen Federn lassen; je weiter weg vom Durchschnitt, desto krasser schlägt die Differenz durch. Die gegenteilige Richtung ist da fast eine Erfolgsleiter: A+ Häuser verlangen im Schnitt 15 Prozent Aufschlag.
Eigentumswohnungen tanzen ein wenig aus der Reihe – die Unterschiede sind geringer. Vielleich daher, weil energetische Sanierungen oft innerhalb der Gemeinschaft getragen werden. Trotzdem: Auch hier können Verkäufer für eine A+ Wohnung im Schnitt 20 Prozent mehr verlangen als für durchschnittliche Objekte, während Altbauwohnungen mit H-Label etwa 9 Prozent unter dem D-Preis liegen.
Auffällig: Seit dem Zinsanstieg 2022 und den Energiepreisschwankungen sind energiesparende Immobilien preislich wesentlich stabiler geblieben. Billige Häuser mit schlechter Energiebilanz reagierten besonders empfindlich – sie gerieten finanziell ins Schleudern. Allerdings bleiben sie trotzdem für einige Käufer attraktiv: Dann wird eben erst gekauft, Sanierung kann warten.
Die Analyse basiert übrigens auf den Angeboten des vergangenen Jahres auf immowelt.de und zieht nur vergleichbare Objekte heran. Ein hedonisches Modell stellt sicher, dass nicht schön renovierte Häuser automatisch teurer gewertet werden, bloß weil sie hübscher aussieht.
Energieeffizienz ist für Immobilienpreise in Deutschland inzwischen wichtiger denn je, zeigt eine aktuelle immowelt-Auswertung: Zwischen Spitzen- und Durchschnittsgebäuden klafft eine Lücke von bis zu 20 Prozent beim Angebotspreis, für sehr ineffiziente Häuser sogar ein Abschlag bis zu 17 Prozent. Neben den gesunkenen Bauzinsen und den steigenden Energiekosten seit 2022 zählt für Käufer inzwischen der energetische Zustand mindestens so viel wie Lage und Größe – zumal ab 2024 strengere Sanierungsanforderungen im Rahmen des Gebäudeenergiegesetzes gelten, was energetisch abgehängte Immobilien weiter unter Druck setzt. Neue Studien, etwa vom Institut der deutschen Wirtschaft, belegen diesen Trend – energetisch schlechte Immobilien werden zunehmend sogenannte "Stranded Assets“, deren Wert abnimmt, während moderne, energieeffiziente Objekte ihren Preis trotz Marktschwäche stabil halten oder sogar noch verbessern können.