Zunächst muss man festhalten: Berlin tickt – automobil betrachtet – ganz anders als die typischen Produktionszentren à la Wolfsburg oder Stuttgart. Hier regieren nicht Fließbänder, sondern Großstadtflair, Dienstleistungen und jede Menge Papierkram. Mehr als 1,25 Millionen Pkw sind in der Stadt zugelassen – bei steigender Einwohnerzahl und gleichzeitig überraschend wenig Parkplätzen (nicht selten ein Grund für Genervtheit bei der abendlichen Parkplatzsuche, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann). Der Autoankauf in Berlin spielt dabei eine ziemlich unterschätzte Rolle: Er bildet das Rückgrat für den Gebrauchtwagenmarkt und beeinflusst spürbar den Autoverkehr, auch wenn das Gerücht, Berlin sei autofeindlich, wohl nicht ganz von der Hand zu weisen ist.
Früher war alles anders – zumindest, wenn man den Geschichten meines Vaters glaubt, der noch von der Kantstraße als Auto-Mekka der Westberliner erzählt. In Ostberlin wiederum herrschte immer Mangel – Wartelisten statt Autohandel, Trabi statt Golf GTI. Nach der Wende kamen dann die großen Handelsplätze, die (wie schon erwähnt) inzwischen meist am Stadtrand aufblühen, denn innen wird Platz eben rar. Und heute? Digitalisierung zieht ein: Fotos vom Handy, Bewertungstools, Online-Ankauf – aber auch all die Unsicherheiten, die neue Technik eben so mit sich bringt.
Der Charme der Berliner Autobranche liegt gerade darin, dass sie von ganz verschiedenen Akteuren zusammengehalten wird: Familienbetriebe aus Neukölln, große Markenketten, ein paar Startup-affine Online-Händler und nicht zu vergessen die altgedienten Exportprofis, die die Straßen abklappern und Fahrzeuge ins Ausland verschiffen. Überhaupt, Export: Niemand kann so gut alte Diesel nach Osteuropa bringen wie die Berliner, scheint mir. Natürlich spielt dabei auch das Umland eine Rolle – polnische Grenze ist nicht weit, viele Umschlagplätze liegen bereits auf brandenburgischem Boden.
Man könnte denken, Elektromobilität wäre hier ein alter Hut, schließlich reden alle darüber. Aber auch wenn inzwischen schon mehr als 5.000 Ladesäulen und ein gewisser Anteil an E-Autos in der Hauptstadt existieren, so ist der Umbruch auf dem Gebrauchtmarkt noch spürbar zögerlich. Unsicherheiten – Batteriezustand, Restwert – hemmen viele, und auch bei den Händlern besteht durchaus Skepsis. Das Angebot wächst, aber langsam. Die Dieselkrise und Umweltzonen sorgen unterdessen dafür, dass Berliner zusehends auf Kleinwagen oder Stadtflitzer setzen und ältere Modelle quasi aus dem Verkehr gezogen (oder zügig ins Ausland verkauft) werden.
Nicht ganz zu unterschätzen: Durch die ständig wachsende Bevölkerung, jede Menge Umzüge und permanentes Kommen und Gehen in der Stadt, sind unkomplizierte Prozesse beim Eigentumswechsel Gold wert. Kein Berliner hat Lust auf Papierberge – die digitalen Lösungen haben also durchaus ihre Daseinsberechtigung. Problem nur: Die Informationsflut sorgt auch dafür, dass immer mal wieder schwarze Schafe im Handel unterwegs sind.
Apropos Unsicherheit: Wirtschaftlich hat nicht zuletzt die Coronakrise mit all ihren Lieferschwierigkeiten und Halbleitermangel die Mechanismen des Marktes kräftig durcheinandergebracht. Der Gebrauchtwagenmarkt wurde zum Zufluchtsort, die Preise stiegen, das Angebot wurde knapp. Was daraus wird, bleibt abzuwarten – aber der Druck zur Anpassung ist spürbar.
Zuletzt sei noch eines gesagt: Der Berliner Automobilhandel lebt davon, dass er sich immer wieder neu erfindet. Zwischen Grünpolitik, Digitalisierung, Import-Export und Mobilitätswandel ist es nie langweilig – und auch wenn nicht jeder Trend sofort begeistert aufgenommen wird, bleibt Berlin eben Berlin: ein bisschen widerspenstig, ziemlich dynamisch und selten berechenbar.
Die Berliner Automobilbranche unterscheidet sich deutlich von klassischen Produktionszentren, weil sie vor allem auf Dienstleistung, Handel und digitale Prozesse setzt. Rückgrat ist ein vielfältiger Gebrauchtwagenmarkt, den Urbanisierung, Mobilitätswende und stetige Bevölkerungsfluktuation ständig in Bewegung halten. Die strikter gewordenen Umweltzonen und der Trend hin zur E-Mobilität wandeln nicht nur den Fahrzeugbestand, sondern auch die Art, wie An- und Verkauf funktionieren – wobei Unsicherheiten zu Restwerten, Digitalisierung und eine starke Exportorientierung nach wie vor große Herausforderungen darstellen.
In aktuellen Online-Quellen wird berichtet, dass steigende Kosten, sinkende Gewinnmargen und die konjunkturelle Lage den Autohandel deutschlandweit und auch regional zusätzlich erschweren. Viele Berliner Händler reagieren mit Digitalisierung ihrer Prozesse, neuen Mobilitätsangeboten und engerem Kontakt zu Exportmärkten. Gleichzeitig wächst der Druck durch politische Vorgaben zur Verkehrswende und strengere Umweltauflagen, was vor allem ältere Diesel und Benziner stark betrifft. Hinzu kommt, dass laut mehreren Analysen der Gebrauchtwagenmarkt weiterhin angespannt ist, da das Angebot an preiswerten jungen Fahrzeugen noch nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann – ein Trend, der die Innenstadt wie das Umland gleichermaßen prägt. Dazu haben die Marktkonsolidierung und die steigende Akzeptanz von Online-Plattformen im Autohandel den Wettbewerb verschärft, sodass besonders kleinere Händler um ihre Existenz fürchten (Stand: Juni 2024). Entscheidend bleibt, wie flexibel der Markt sich an neue Rahmenbedingungen wie E-Mobilität, Digitalisierung und anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit anpassen kann.