„Landtagswahlen laufen meist nach eigenen Spielregeln – ganz abgekoppelt von dem politischen Wetterleuchten in Berlin“, meinte Forsa-Chef Güllner gegenüber der 'Rheinischen Post'. Nach seiner Sicht interessieren sich die Wählerinnen und Wähler im Südwesten mehr für Personen und Pragmatismus als für Ideologien aus dem Lehrbuch. „Die Grünen tun immer so fortschrittlich und links, in Wirklichkeit erreichen sie aber vor allem Menschen mit gut gefülltem Portemonnaie und Uni-Abschluss.“ Der ewige Vergleich mit den Flügelkämpfen der Linkspartei verpuffe bei den Grünen, meint Güllner – dort gehe es im Zweifel um den besten Weg ans Ziel und nicht um Richtungsfragen. Überraschenderweise zückte Güllner eine Erinnerung an 2011: Damals hielt man Winfried Kretschmanns Triumph für ein Ausrutscher – heute sei er nicht mehr wegzudenken. „Özdemir tritt in große Fußstapfen, aber ob er sie ausfüllen wird, das steht auf einem anderen Blatt.“ Apropos: Mit Blick auf die nächsten Wochen scheint die Bundespolitik eher an der Seitenlinie zu stehen.
Forsa-Chef Güllner betont, dass die Landtagswahl in Baden-Württemberg nicht automatisch alte Flügelstreitereien bei den Grünen entfacht. Nach seiner Analyse bestimmt vor allem die Person des Spitzenkandidaten das Wahlergebnis – weniger ein politischer Lagerkampf. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Grünen in der Wahrnehmung zwar links wirken, letztlich aber eine eher gut situierte Wählerschaft adressieren. Hinzu kam in den jüngsten Tagen die Diskussion um Özdemirs politische Handschrift und die Herausforderungen, denen er sich stellen muss. Neuere Berichte beleuchten zudem, dass Özdemirs Wahlerfolg strategisch auf Kommunalpolitik und Bürgernähe setzte, während die Grünen bundesweit weiter mit Profilproblemen ringen. In verschiedenen Medien wurde außerdem thematisiert, wie sich der Wahlsieg auf die Koalitionsoptionen im Südwesten und die grüne Rolle im Bund auswirkt.