Dorothee Bär hat eine klare Vorstellung: Sie findet, es sei höchste Zeit, dass Deutschland beim Thema Kernfusion mit gutem Beispiel vorangeht. 'Ich habe mich entschieden: Wir setzen auf Fusion', erklärte sie der Süddeutschen. Ob der erste Fusionsreaktor wirklich hierzulande realisiert wird, sei zwar ein mutiger Plan, aber für Bär auch der einzig richtige Weg. Die Kritik der Fachwelt – dass fusionierte Energieversorgung noch in weiter Ferne liege und die Projekte eher teuer als konkret wirken – lässt sie wenig gelten. Bär gibt zu: Weder sie noch die Wissenschaft können jetzt schon sagen, ob am Ende Laser- oder Magnetfusion der Durchbruch gelingt. Doch was sie wirklich aufregt, ist das Thema Frauengesundheit. Laut Bär sei Deutschland längst nicht so fortschrittlich, wie gern behauptet werde. Vor allem bei Krankheiten, die fast ausschließlich Frauen betreffen – etwa Endometriose oder Lipödem –, hapere es an Forschung und seriösen Behandlungen. Ihre Meinung: Wären es Männerkrankheiten, stünde man in der Forschung vermutlich bereits viel besser da.
Dorothee Bär spricht sich klar für die Entwicklung eines deutschen Fusionsreaktors aus, hält aber relevante Kritik an Machbarkeit und Kosten für nicht stichhaltig. Gleichzeitig prangert sie die Defizite bei der Erforschung frauenspezifischer Erkrankungen an und fordert mehr Mittel und Aufmerksamkeit für dieses Thema. Aktuelle Berichte zeigen, dass in Deutschland tatsächlich neue Initiativen zur Förderung der Kernfusion angestoßen werden, etwa mit Start-up-Unterstützung und größerem Finanzrahmen durch den Bund. Zugleich rückt die Debatte um Geschlechtergerechtigkeit in der medizinischen Forschung verstärkt in den Fokus, was auch durch Initiativen der EU-Kommission und neuer wissenschaftlicher Netzwerke unterstützt wird. Zugespitzt lässt sich sagen: Deutschlands Innovationskraft im Energiesektor steht genauso auf dem Prüfstand wie die Chancengleichheit in der medizinischen Wissenschaft.