Bafin warnt vor Risiken bei Immobilienfonds – Weitere Schließungen möglich

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin sieht für private Anleger weiterhin erhebliche Gefahren bei offenen Immobilienfonds und anderen Finanzprodukten.

09.03.26 00:03 Uhr | 17 mal gelesen

Bafin-Chef Mark Branson brachte es kürzlich im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung auf den Punkt: 'Offene Immobilienfonds an sich sind keine schlechten Anlageprodukte.' Doch es komme entscheidend darauf an, wie sie vermarktet und verkauft würden. 'Nicht jede Beratung verdient ihren Namen; oft steckt da einfach Vertrieb hinter', meinte Branson trocken. Besonders kritisch sieht er, dass solche Fonds gerne als besonders sicher, also in die Risikostufe eins, eingestuft werden – eine heikle Einschätzung: 'Was weniger riskant als Staatsanleihen sein soll, passt für mich nicht ganz zusammen.' Tatsächlich hätten einzelne Anbieter mittlerweile schon ihre Risikoeinstufungen erhöht. Lange galten offene Immobilienfonds als eine Art Fels in der Brandung – zumindest für viele Privatkunden, die sie vor allem über Sparkassen und Volksbanken erwerben, häufig in der niedrigsten Risikokategorie. Trotzdem, die Realität holt die Produkte ein: Zwei kleinere Fonds verweigerten vor Kurzem die Rückgabe von Anteilen. Die Gefahr weiterer Fondsschließungen? „Ausschließen kann ich da gar nichts“, gibt Branson offen zu und verweist speziell bei kleineren Fonds auf ein echtes Risiko. Kurios – oder eher fragwürdig – findet Branson auch die Protokollierungsregeln, die seit der Finanzkrise eingeführt wurden. Denn große Papierberge bringen wenig, wenn vor allem diejenigen, die eigentlich besonders schutzbedürftig sind, sich schlicht nicht zurechtfinden. Das System, meint er, habe ernsthafte Schwächen: Schutz für Institute, weniger für Kunden. Wenn es um ein mögliches Provisionsverbot im Vertrieb geht, hält Branson sich zurück: Ein so tiefer Eingriff dürfte auch dazu führen, dass viele Anleger am Ende ganz ohne Beratung dastehen. Die Entscheidung müsse die Politik treffen, so Branson. So weit, so offen – ganz ohne klare Lösung, dafür mit einer ehrlich formulierten Unsicherheit.

Bafin-Chef Mark Branson mahnt zu größerer Vorsicht bei offenen Immobilienfonds und warnt davor, sie als praktisch risikofrei zu bewerben. Nach mehreren Vorfällen, bei denen Fonds geschlossen wurden und Anleger ihr Geld nicht abziehen konnten, sieht er vor allem bei kleineren Anbietern ein gestiegenes Risiko. Weiterhin kritisiert Branson die aktuellen Protokollierungspflichten, die eher die Institute als die Kunden schützen, und äußert sich skeptisch zu einem Provisionsverbot im Vertrieb. Aktuelle Entwicklungen aus anderen Quellen verstärken das Bild einer angespannten Lage bei Immobilienfonds: Gewerbeimmobilien kämpfen europaweit mit Wertverlusten und Anleger ziehen Gelder ab, wie zuletzt auch große Anbieter wie Deka Immobilien bestätigen. Der Druck auf Fonds nimmt laut FAZ durch steigende Zinsen und Leerstände weiter zu. Zugleich wird politisch über neue Regulierungen zur Verbesserung des Verbraucherschutzes im Finanzvertrieb diskutiert.

Schlagwort aus diesem Artikel