Bankenverbände stellen Weichen: Deutsche Kreditwirtschaft definiert Kernziele bis 2026

Berlin – Fünf Bankenverbände, eine gemeinsame Richtung: In Berlin wollen die deutschen Finanzinstitute den Regulierungsrahmen entschlacken, Europas digitale Selbstbestimmung vorantreiben und das Potenzial der Kapitalmärkte für die Transformation stärken.

heute 15:01 Uhr | 3 mal gelesen

Wenn Marija Kolak, Chefin des BVR, sich zum neuen Kurs für die deutschen Banken äußert, klingt das alles nach Pflicht, aber auch nach einer Art kollektiver Vision: 'Stabilität, Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsfähigkeit' – die allzu großen Worte klingen fast etwas ausgeleiert, wenn man den täglichen Politbetrieb kennt. Und doch: Ohne verlässliche Kreditwirtschaft, so Kolak, „fallen Immobilienprojekte, Unternehmensinvestitionen und öffentlicher Ausbau ziemlich schnell ins Wasser“. Banken sind keine beliebte Spezies, aber sie packen das Rückgrat der Wirtschaft. Überraschend: Bei ihrem Jahresauftakttreffen in Berlin fanden Bankenvorstände wie Christian Sewing oder Ulrich Reuter immerhin gemeinsame Schnittmengen. Ihr Arbeitsprogramm dreht sich um drei drängende Themen: weniger Bürokratie bei der Regulierung, mehr digitale und finanzielle Unabhängigkeit für Europa und deutlich stärkere Kapitalmärkte. Die Regulierungsdichte soll abgebaut werden, aber nicht um Risiken zu verschleiern – sondern um Innovation zu ermöglichen, ohne die Kapitalbasis in ein Korsett zu zwängen. Bei Europas digitaler Souveränität geht es nicht nur um Technik, sondern um die Frage, wer künftig die Geschäftsmodelle bestimmt: Google oder doch europäische Banken? Auch der Zahlungsverkehr ist im Wandel: So schielt Kolak auf den digitalen Euro als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zu privaten Lösungen – ein kniffliger Spagat. Die 'Impulse für einen leistungsfähigen Finanzstandort' klingen im ersten Moment abgedroschen – aber vielleicht ist ihnen diesmal der Realitätsernst deutlicher anzumerken.

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) richtet ihren Fokus für die kommenden Jahre gezielt auf drei Baustellen: Erstens soll die Etablierung eines effizienteren, unkomplizierteren Regulierungsrahmens Banken mehr Handlungsfreiheit verschaffen, ohne dabei Risiken für das System einzugehen. Zweitens rückt die digitale und finanzielle Souveränität Europas in den Mittelpunkt – dabei ist der digitale Euro ebenso Thema wie Infrastrukturen, die weniger abhängig von außereuropäischen Tech-Konzernen machen sollen. Drittens werden die Entwicklung und Stärkung der Kapitalmärkte als entscheidend für Wachstum und die Finanzierung der grünen und digitalen Transformation begriffen. Aktuelle Recherchen in führenden deutschen Medien unterstreichen die Brisanz dieses Themas: So verweisen Berichte etwa auf die stockende Bankenregulierung in der EU, die politische Diskussion um den digitalen Euro (Skepsis bei Datenschutz und Integration privater Angebote) und die Herausforderung, die Kapitalmärkte für die Transformation ausreichend zu mobilisieren. Neue Marktstudien zeigen, dass insbesondere kleine und mittlere Banken durch komplexe Regulierungsvorgaben manchmal wirtschaftlich unnötig gebremst werden, was Investitionen erschwert. Zugleich mehren sich Stimmen, die vor einer weiteren Marktabschottung warnen und den Spagat zwischen Stabilität, Offenheit und Innovationsdruck fordern.

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