Die deutschen Bauunternehmen dämpfen ihre Hoffnung auf steigende Umsätze: Statt wie zuvor angedacht 2,5 Prozent rechnet der Branchenverband Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) aktuell lediglich noch mit einem mageren Plus von etwa einem Prozent. Das ergab eine Branchenbefragung, auf die sich auch die "Welt am Sonntag" bezieht. Rund 80 Prozent der Befragten spüren direkte Auswirkungen durch die Blockade der für den Welthandel so wichtigen Straße von Hormus – Energiestau inklusive. Fast alle nennen steigende Preise, die sich auf sämtliche Bereiche von Kraftstoffen bis zu Baustoffen erstrecken. Ein Fünftel kämpft mit Lieferverzögerungen in laufenden Projekten. Wirklich optimistisch stimmt das niemanden: Kaum noch 13 Prozent erwarten Gewinne, weitaus mehr rechnen mit Einbußen. Auffällig auch – drei Viertel der Baufirmen können explodierende Kosten nicht an die Kundschaft weitergeben und sitzen auf den Rechnungen für Diesel und Material. Hinzu kommt: Die gigantische, einst mit Hoffnung beladene Summe von 500 Milliarden Euro, eigentlich für Infrastruktur und den klimafreundlichen Umbau bereitgestellt, wird bislang nur zögerlich abgerufen. Ab Januar seien gerade mal 33 Prozent der für den Verkehr vorgesehenen Mittel ausgezahlt, bei Programmen rund ums Wohnen sogar verschwindend geringe vier Prozent. Bemerkenswert, vielleicht auch irritierend: Die Bauunternehmen planen trotzdem, ihr Personal moderat aufzustocken – zwischen 10.000 und 12.000 neue Beschäftigte könnten es im laufenden Jahr werden. HDB-Hauptgeschäftsführer Müller bleibt vorsichtig, was einen echten Aufschwung angeht. Möglich seien vereinzelte kleine Lichtblicke – etwa im Juni. Ob daraus jedoch ein nachhaltiger Boom wird? Eine gewisse Skepsis schwingt mit. Die jüngste HDB-Umfrage fand im Juni und Juli statt, mit starkem Fokus auf Unternehmen in Niedersachsen, Bremen sowie Nordrhein-Westfalen.
Die Erwartungen der Bauindustrie an den Umsatz 2026 wurden spürbar nach unten korrigiert: Hauptgründe sind die teuren Engpässe auf internationalen Transportwegen, getrieben durch den Nahostkonflikt und insbesondere der angespannten Situation um die Straße von Hormus, was wiederum Preise für Energie und Baumaterial explodieren lässt. Trotz der Bereitstellung eines Milliardenfonds aus öffentlicher Hand für Infrastruktur und Klimaschutz stößt dessen Ausschüttung in der Praxis auf bürokratische Hürden – bislang kam ein Großteil der Mittel nicht dort an, wo sie gebraucht würden. Die Branche bleibt in einer Art Schaukelzustand: Während die laufenden Kosten drücken und Gewinne ausbleiben, hält sich eine vorsichtig optimistische Erwartung auf vereinzelt bessere Monate oder kurzzeitige positive Signale, die aber ohne konsequente Veränderungen kaum als Trend gewertet werden dürften. Ergänzend berichten aktuelle Medien, dass die Bundesregierung neue Maßnahmen zur Beschleunigung von Fördermittelabrufen diskutiert. Die allgemeine Wirtschaftslage und die politischen Unsicherheiten in Europa verschärfen die Zurückhaltung bei Investitionen zusätzlich. Auch gibt es zunehmend Forderungen aus der Branche und Politik, Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich zu entschlacken, um ins Stocken geratene Bauprojekte schneller umzusetzen.