„Kinder, die in eine Beziehung von zwei Frauen hineingeboren werden, sollten von Geburt an zwei juristische Elternteile erhalten können“, betonte Stefanie Hubig in einem Interview mit der 'Rheinischen Post'. Bislang gilt nach altem Recht: Die Mutter ist, wer das Kind austrägt – die Partnerin wird erst nachträglich durch eine Adoption zur rechtlichen Mutter. Dies gelte völlig unabhängig davon, ob der leibliche Vater rechtlich Verantwortung übernehmen will – der Gesetzgeber ignoriere diese Lebensrealität von Regenbogenfamilien oft. Hubig stellt klar, dass eine entsprechende Gesetzesänderung leicht möglich sei, ohne das Grundgerüst des Abstammungsrechts zu erschüttern. Noch im vergangenen Jahr hatte Friedrich Merz (CDU) im Fernsehen zugestimmt, dass homosexuelle Ehen beim Adoptionsrecht gleichgestellt werden sollten, woraufhin der Bundesrat ebenfalls zum Handeln aufforderte. Was Leihmutterschaft betrifft, bleibt Hubig jedoch zurückhaltend. Die Union sperrt sich gegen Lockerungen – daran werde sich nichts ändern. Ihr Anliegen gilt allerdings Kindern aus Samenspende im Kontext lesbischer Elternschaft. Hier wirbt sie um einen besonnenen Wandel. Die öffentliche Debatte bekam durch den prominenten CDU-Politiker Jens Spahn zuletzt neuen Auftrieb – doch das Thema bleibt politisch und gesellschaftlich umkämpft.
Das Vorhaben der Justizministerin, lesbische Paare im Abstammungsrecht gleichzustellen, fügt sich in größere gesellschaftliche Diskussionen rund um Regenbogenfamilien, Gleichstellung und Kinderrechte. Laut aktuellen Berichten aus der Süddeutschen Zeitung, der Zeit und der taz gewinnt das Thema an Relevanz, zumal immer mehr Familienmodelle jenseits der klassischen Eherechtssituation leben und gesamtgesellschaftliche Anerkennung fordern. Das Justizministerium plant, nun einen konkreten Gesetzesentwurf zu erarbeiten, der insbesondere für Kinder von zwei Müttern Rechtssicherheit schaffen soll, indem Adoptionen umgangen und beide Frauen von Anfang an als Eltern anerkannt werden – ohne das fundamentale Mutterschaftsprinzip im Kern anzugreifen. Zusätzlich wurde in etlichen Medienkommentaren darauf hingewiesen, dass die Diskussion um die rechtliche Elternschaft losgelöst von einer Öffnung der Leihmutterschaft bleibt und in anderen Ländern längst fortschrittlichere Modelle existieren.