Nadine Bilke, Programmdirektorin des ZDF, äußerte sich zutiefst erfreut über den Preisregen: "Solche Auszeichnungen feiern nicht nur künstlerische Exzellenz, sie motivieren unser ganzes Team, innovative Inhalte zu wagen." In „Gelbe Briefe“ von Ilker Çatak wird die Familie des Künstlerpaars Derya und Aziz durch politische Repression auseinandergerissen – ein Kammerspiel über Verlust, Widerstand und den Wert von Idealen. Diese Koproduktion zwischen Deutschland, Frankreich und der Türkei, gestemmt von if... Productions und internationalen Partnern, überzeugt Jury und Kritiker gleichermaßen.
Auch die mittelalterliche Identitätsreise „Rose“ von Markus Schleinzer zieht Aufmerksamkeit auf sich: Sandra Hüller verkörpert einen Soldaten, der sich im Zuge des Dreißigjährigen Krieges unter falscher Identität in einem abgelegenen Dorf behaupten muss. Die packende Parabel über Maskerade, Zugehörigkeit und das Ringen um Wahrheit wurde von einem internationalen Produktionskonsortium getragen.
Doch nicht nur diese beiden Filme sorgten für Furore: Preise gingen u.a. an „Narciso“ (FIPRESCI Award), „Iván & Hadou“ (Teddy Award für besten Spielfilm), „Der Heimatlose“ (Teddy Jury Award), und „Staatsschutz“ von Faraz Shariat, der gleich zweimal ausgezeichnet wurde. Zusätzlich gab es den Gilde Filmpreis für „Gelbe Briefe“, den SI STAR Filmpreis für „In die Sonne schauen“ und eine ehrenvolle Erwähnung beim Dokumentarfilmpreis für „Was an Empfindsamkeit bleibt“. Offenbar war die Berlinale dieses Jahr ein Schaulaufen der ZDF/ARTE-Kreativität.
Die 76. Berlinale hat die großen Stärken europäischer Koproduktionen unterstrichen: "Gelbe Briefe" von Ilker Çatak beschäftigt sich mit politischem Druck und familiärem Zerfall vor dem Hintergrund türkischer Gesellschaft. "Rose" interpretiert Geschlecht, Identität und Täuschung im Chaos des Dreißigjährigen Krieges neu und hebt dabei vor allem die schauspielerische Leistung von Sandra Hüller hervor. Zahlreiche Auszeichnungen für ZDF/ARTE-Koproduktionen spiegeln wider, wie vielfältig, relevant – und gelegentlich auch unbequem – das öffentlich-rechtliche Schaffen in bewegten Zeiten bleibt. Dass das deutsche Kino aktuell international viel Aufmerksamkeit bekommt und Produktionen wie die von Çatak oder Schleinzer auf gesellschaftlicher wie persönlicher Ebene herausfordern, wurde in Medienstimmen aus der taz, der Süddeutschen und der FAZ erneut hervorgehoben. Ergänzend dazu wurde in den letzten 48 Stunden auf taz.de und sueddeutsche.de viel über die intensive Festival-Atmosphäre, die gesellschaftspolitische Sprengkraft filmischer Stoffe und die Debatten um Diversität und Identität im Drehbuch sowie im Wettbewerb diskutiert. Die Berlinale hat mit ihrer starken internationalen Ausrichtung und politisch-künstlerischen Vielseitigkeit neue Maßstäbe gesetzt.