Wenn man ehrlich ist – die Berliner Schulpolitik schwankt ja gern zwischen Chaos und Hoffnungsschimmern. Katharina Günther-Wünsch jedenfalls klang am Montag im RBB-Inforadio beinahe erleichtert: Statt 1.500 fehlender Lehrkräfte sind es „nur noch“ 500. Riesensprung – na ja, aber eben auch noch ein weiter Weg. Die Senatorin sieht trotzdem Fortschritte, etwa bei der Zahl neuer Referendare, die zuletzt so hoch war wie seit zehn Jahren nicht mehr. Nicht ganz nebensächlich, denn viele Studienabbrecher sind ein bekanntes Ärgernis. Dies will das Land mit einem flexibleren Masterangebot und mehr Anerkennung ausländischer Abschlüsse auffangen. Wer außerdem frisch als Lehrer*in nach Berlin kommt und die Bedingungen erfüllt, dem wird ein Beamtenstatus angeboten – auch das eine Maßnahme, um Leute zu halten, nicht nur zu locken. Ihr Ansatz, die Klassengrößen gerade in kritischen Stadtteilen zu verkleinern, klingt zwar wie ein altmodisches Versprechen, aber offenbar wurde auch genug gebaut, um das zu stemmen. Individuelle Lösungen an den Randlagen, sagt sie, hätten schon geholfen – ob das wirklich reicht, wird sich zeigen müssen. Ganz zufrieden wirkt sie trotzdem nicht: Die Verteilung der Lehrkräfte sollte in Zukunft zentraler gesteuert werden, betont Günther-Wünsch. Ein dickes Brett, das es wohl erst noch zu bohren gilt.
Die Berliner Bildungssenatorin spricht von Fortschritten bei der Suche und Bindung von Lehrkräften: Die Zahl der fehlenden Lehrer*innen sank in drei Jahren von 1.500 auf 500, neue flexible Masterstudiengänge und die leichtere Anerkennung ausländischer Abschlüsse sollen ab dem Wintersemester weitere Fachkräfte bringen. Lehrer*innen, die die Voraussetzungen erfüllen, erhalten ein Angebot für den Beamtenstatus – ein Schritt zur besseren Bindung ans Land Berlin. Besonders in neu gebauten Grundschulen und in den Randbezirken wird versucht, durch kleinere Klassen individuelle Lösungen zu finden; langfristig ist zudem eine zentralere Steuerung der Lehrkräfteverteilung auf der Agenda.
Ergänzend: Viele Medien verweisen auf den weiter anhaltenden Lehrer- und Fachkräftemangel bundesweit – trotz der positiven Entwicklung in Berlin ist der Bedarf weiterhin groß. Die Gewerkschaften fordern größere Investitionen in die Aus- und Fortbildung und kritisieren, dass mit der Verbeamtung der Konkurrenzkampf mit anderen Bundesländern eher verschärft werde. Die Digitalisierung der Schulen wird – insbesondere nach Erfahrungen aus der Pandemie – weiterhin als zentraler Baustellenschwerpunkt gesehen.