Milliardenloch droht? AOK warnt vor Kostenlawine durch Abnehmspritzen

Sollten Abnehmspritzen künftig für alle gesetzlich Versicherten mit starkem Übergewicht übernommen werden, könnte das die GKV-Kassen an ihre Grenzen bringen. Hochrechnungen sprechen von Summen, bei denen einem schwindlig werden könnte – bis zu 45 Milliarden Euro jährlich im Extremfall.

heute 10:01 Uhr | 2 mal gelesen

Wer hätte gedacht, dass eine Spritze, die ursprünglich zur Behandlung von Diabetes erfunden wurde, das Potenzial hat, das Gesundheitssystem finanziell zu erschüttern? Carola Reimann, die Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes, hat konkreter gerechnet und spricht offen von astronomischen Beträgen, sollte die GKV Abnehmspritzen für alle Adipositas-Patienten (ab BMI 30) übernehmen müssen. 45 Milliarden Euro pro Jahr – als Worst-Case-Denkmodell. Klar, das ist ein wenig wie bei Weltuntergangsprognosen: es wird vermutlich nie ganz so schlimm kommen, aber allein die Größenordnung haut einen um. Selbst wenn man den Schwellenwert höher ansetzt, etwa BMI 35, sind es noch 14 Milliarden jährlich – auch kein Pappenstiel. Reimann hält die Debatte für zu einfach, wenn sie sich nur auf die Frage „Spritze ja oder nein“ reduziert. Sie weist darauf hin, dass solche Medikamente schon für Diabetiker gezahlt werden und der Unterschied zwischen echter medizinischer Notwendigkeit und Lifestyle-Nutzung in den Medien gerade reichlich verwaschen wird. Menschen, die aus ästhetischen Motiven zu solchen Mitteln greifen, sind tatsächlich nicht ohne – und diese Entwicklung will niemand finanzieren müssen. Sie kritisiert außerdem die Preispolitik bei neuen Arzneien im Allgemeinen: Pharmafirmen dürfen bei neuen Medikamenten die Preise sechs Monate lang frei bestimmen – eine Art Freifahrtschein zum Abkassieren. Oft fehlt der eindeutige Zusatznutzen, gerade bei seltenen Krankheiten ist die Faktenlage anfangs oft dünn. Aber das Geld fließt trotzdem – das ärgert nicht nur Reimann.

Die Diskussion um die Übernahme der Kosten für Abnehmspritzen durch die gesetzlichen Krankenkassen bekommt aktuell neuen Zündstoff – vor allem wegen des massiven Medienechos zu Lifestyle-Anwendungen und populären Präparaten wie Wegovy oder Ozempic. Dem Spitzenverband der GKV bereiten insbesondere die steigenden Ausgaben bei Arzneimitteln im Gesamtbild zunehmend Sorgen, da immer mehr hochpreisige Therapien auf den Markt drängen – mit zum Teil fraglichem Nutzen. Ein Bericht der FAZ ergänzt, dass in anderen Ländern wie Dänemark die Nachfrage nach diesen Medikamenten bereits so hoch ist, dass Lieferengpässe und finanzielle Belastungen des gesamten Gesundheitssystems auftreten (Quelle: FAZ). Die Süddeutsche Zeitung hebt hervor, dass laut Experten trotz des Hypes um Abnehmspritzen weiterhin Bewegung, Ernährung und Verhaltensänderungen im Zentrum einer erfolgreichen Adipositas-Therapie stehen müssen (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Zeit Online berichtet außerdem, dass der Gemeinsame Bundesausschuss kürzlich eine breite Debatte über die Priorisierung von Anwendungsgebieten und Kostenübernahme für neue Medikamente angestoßen hat, um die Finanzierbarkeit des Systems langfristig zu sichern (Quelle: Zeit Online).

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