Manfred Güllner, der das Forsa-Institut gegründet hat und lange Zeit leitete, glaubt nicht an eine baldige Wende für Friedrich Merz. Gegenüber den Zeitungen der Funke-Medien ließ Güllner durchblicken, dass die Unzufriedenheit mit Merz' Politik inzwischen gewissermaßen fest zementiert sei. Nach dem Ende der ungeliebten Ampel hofften viele auf einen Aufbruch – die Euphorie wich aber recht schnell Ernüchterung. Das Bild, Merz bekomme Regierung und Land nicht wirklich in den Griff, verhärtet sich laut Güllner mit jeder Woche mehr.
Interessant auch: Güllner findet, Merz fehle es schlicht an der Fähigkeit, verschiedene Gruppen der Gesellschaft zusammenzubringen oder wenigstens die Konflikte zu moderieren. "Viele Versprechen, wenig Gelebtes", fasste er die Situation zusammen. Manche Punkte – etwa, wie zäh die Wirtschaft wirklich wieder anspringt – seien logisch nicht allein dem Kanzler anzulasten. Aber: So, wie Merz regiere, kippt die Stimmung weiter ins Negative.
Ganz so hoffnungslos sieht das der Kommunikationsberater Raphael Brinkert nicht. Für ihn hat Merz' Regierung trotz aller Stolpersteine – von internationalen Krisen bis zu gebrochenen Versprechen wie der Schuldenbremse – noch Luft nach oben. Brinkert zieht einen sportlichen Vergleich: Wären wir im Basketball, wären wir gerade mal in der ersten Viertelpause. Einen Comeback-Willen müsse das Kabinett jetzt zeigen. Was nach Meinung Brinkerts ebenfalls fehlt: eine positive Geschichte, ein Ziel, das die Regierung überhaupt noch verfolgt – und das irgendwie greifbar wird. Nur so könnten Frust und das Gefühl eines Stillstands womöglich überwunden werden. Interessant: Die Bundestagswahl offenbarte, dass quer durch alle Parteien eher wenig populäre Figuren zur Wahl standen – was den Rändern im politischen Spektrum laut Brinkert in die Karten spielte. Ob Merz zum Führer einer tragfähigen Fortschrittserzählung werden kann, ist und bleibt offen.
Die breite Enttäuschung der Bevölkerung über Kanzler Merz wirkt mittlerweile tief verwurzelt – Ursache ist laut Forsa-Chef Güllner vor allem die Lücke zwischen Ankündigungen und tatsächlichem Regierungshandeln. Kommunikationsberater Raphael Brinkert sieht trotz aller Kritik noch Chancen für einen politischen Umschwung, sofern die Regierung endlich eine glaubwürdige Vision und Führungskompetenz zeigt. Aktuelle Umfragen der letzten Tage bestätigen die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung, während die AfD teilweise weiter zulegt und gesellschaftliche Spaltung zunimmt; zahlreiche Medien berichten über zunehmende Kritik am Krisenmanagement sowie über die wachsende Erwartungshaltung an ein wirtschaftliches Aufbruchsignal. Die Funke-Mediengruppe hebt zudem hervor, dass die jüngsten Streitthemen in Wirtschaft und Sozialpolitik weiterhin das Bild von Uneinigkeit und Belastungsproben für die Koalition prägen.