Brandenburgs Vize-Regierungschef verlässt BSW-Fraktion

Robert Crumbach, Brandenburgs stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister, kehrt dem BSW sowie dessen Landtagsfraktion den Rücken.

05.01.26 14:25 Uhr | 29 mal gelesen

Montagvormittag, wie aus heiterem Himmel, zieht Robert Crumbach einen Schlussstrich: Er verabschiedet sich sowohl aus der Partei BSW als auch aus deren Fraktion im Landtag. Er begründet seinen Schritt mit unüberwindbaren Differenzen und verweist dabei nicht zuletzt auf seinen Amtseid. Crumbach lässt durchblicken, dass es seit etlichen Monaten stark gerummelt habe: ein Dauerkonflikt über Richtung, Selbstverständnis und Kurs von Partei und Fraktion. Lösungen? Fehlanzeige. Dieser Dauerstreit, so meint er, schlage voll auf seine Minister- und Abgeordnetenarbeit durch und untergrabe die Funktionsfähigkeit der Regierung – das könne so nicht weitergehen. Besonders schwerwiegend empfinde er, dass weite Teile von Partei und Fraktion sich schlichtweg weigerten, wirkliche Regierungsarbeit zu machen: Statt Kompromiss und Gestaltungswille kämen Blockade, Distanzierung und Oppositionsgehabe – und das ausgerechnet auf Regierungssesseln! Das hemme nicht nur das Vorankommen, sondern triefe förmlich das Vertrauen der Leute an. Crumbach blickt ja auf eine lange Karriere in der SPD zurück und erst vor einiger Zeit wechselte er zum BSW. Schon im November war die Stimmung angespannt: Vier BSW-Landtagsabgeordnete packten ihre Sachen wegen angeblicher "autoritärer Tendenzen" – zwei kehrten zwar zurück, aber das Grundrauschen bleibt. Das aktuelle Koalitionsbild ändert sich: Zwei fraktionslose Abgeordnete und nun Crumbach könnten dazu führen, dass eine SPD-CDU-Koalition doch noch eine rechnerische Mehrheit bekommt. Politik bleibt eben ein undurchsichtiges Schachspiel.

Der Rückzug von Robert Crumbach markiert eine Zäsur in der brandenburgischen Landespolitik. Seine Begründung ist außergewöhnlich offen – anders als viele Politiker versteckt er sich nicht hinter Floskeln, sondern beschreibt die internen Spannungen im BSW, die seiner Ansicht nach zur Arbeitsunfähigkeit führen. Seine Kritik an 'Oppositionsspielchen aus der Regierung heraus' trifft einen wunden Punkt vieler junger Parteien, wo das Balancieren zwischen Protesthaltung und Regierungsverantwortung häufig schiefgeht. Auch andere Quellen berichten verstärkt über Unruhe im BSW, verschärft durch die nahenden Landtagswahlen und den ohnehin rauen politischen Ton in Brandenburg. Im bundespolitischen Kontext ist bemerkenswert, dass der Wechsel das Kräfteverhältnis im Landtag verschiebt – eine große Koalition rückt damit rechnerisch näher. Bedeutsam bleibt, dass Crumbach als einstiger SPD-Politiker erneut das Lager verlässt. Das wirft Fragen auf: Wie stabil sind neue Parteien wie das BSW? Und wie sehr bestimmen persönliche Loyalitäten heute noch den Kurs in der Landespolitik? Fest steht: Die politischen Fronten könnten sich in Brandenburg neu sortieren. Laut Spiegel und Süddeutscher Zeitung gibt es derzeit auch bundesweit Debatten über den Zustand des Parteienwesens und die Fähigkeit kleinerer Gruppierungen, dauerhaft tragfähige Regierungsarbeit zu leisten. Im Nachgang könnte Crumbachs Schritt also Signalwirkung weit über Brandenburg hinaus entfalten.

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