Bundeshaushalt 2026: Industrie und Mittelstand beklagen zu niedrige Forschungsausgaben

„Deutschland fällt beim Innovationsranking immer weiter zurück. Das ist nicht hinnehmbar“, mahnt Jens Jerzembeck von der Allianz für Industrie und Forschung (AIF) angesichts der Bundestagsabstimmung zum Bundeshaushalt 2026. Eine starke Innovationspolitik gilt als Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit deutscher Unternehmen.

heute 11:59 Uhr | 15 mal gelesen

Wer heute im Deutschen Bundestag die Debatte zum Bundeshaushalt verfolgt, ahnt schnell: Die deutsche Industrie befindet sich in einer empfindlichen Lage. Jens Jerzembeck, Kopf der AIF, lässt kaum Zweifel an seinem Urteil: 'Platz 12 im Innovationsindikator? Das kratzt an Deutschlands Selbstverständnis als Vorreiterland.' Der von Branchenverbänden und Forschungsinstituten wie dem BDI und Fraunhofer-Institut erhobene Innovationsindikator belegt: Im Vergleich zu 35 wirtschaftsstarken Ländern rutscht Deutschland in Sachen Innovationskraft und Technologieführerschaft immer weiter ab. Es wirkt fast grotesk, wie sehr wir uns mit wohlklingenden Förderinitiativen brüsten, während die realen Ausgaben in den entscheidenden Programmen stagnieren oder sogar schrumpfen. Schwerpunkt der Kritik ist das im Haushalt geplante Forschungsbudget für Förderinstrumente wie die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF), das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) sowie spezifische Innovations- und Transferprogramme. Für viele Unternehmen, besonders jenseits der Großkonzerne, sind diese Programme das Rückgrat, wenn es um Zukunftstechnologien und nachhaltige Neuausrichtungen geht. Die tatsächlich bereitgestellten Mittel – rund 772,5 Millionen Euro – bleiben jedoch weit entfernt von dem, was die AIF und ihre Partner als notwendig ansehen. 'Eine Milliarde Euro ist das Minimum', insistiert Jerzembeck. Besonders pikant: Gerade bei der europaweit einzigartigen IGF werden für das kommende Jahr Mittel gekürzt, was die Innovationskultur im Mittelstand bremst. Auch bei INNO-KOM, das gemeinnützige Forschungseinrichtungen unterstützt, wird das Budget weiter zusammengekürzt – und das, obwohl neue Talente und Ideen gerade dort entstehen. Das Auf und Ab beim ZIM-Budget – von 620 Millionen (2024) über einen Absturz auf gut 500 Millionen, nun eine kleine Erholung auf etwa 536 Millionen – verdeutlicht ein grundlegendes Problem: Planbarkeit bleibt schwierig, und echte Akzente fehlen. Etwas optimistisch stimmt immerhin der politische Wille, die Innovationsfähigkeit wieder nach vorn zu rücken. Die Bedeutung dieser Programme für einen Standort, der zunehmend unter Druck gerät, kann man aber kaum überschätzen. Vielleicht ist es trotz allem Zeit für einen Strategiewechsel: Nicht nur auf Zahlen und Programme schielen, sondern gezielt in Felder investieren, die Wirtschaft und Gesellschaft aus der Deckung holen – der Ball liegt wieder einmal auf dem Elfmeterpunkt.

Die Förderung von Industrieforschung durch den Bundeshaushalt 2026 ruft heftige Kritik aus Wirtschaft und Wissenschaft hervor. Insbesondere die Allianz für Industrie und Forschung fordert deutlich höhere Mittel zur Stärkung von Innovation und Wettbewerbsfähigkeit – und verweist darauf, dass Programme wie IGF oder ZIM für zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen existenziell sind. Trotz einer leichten Budgeterhöhung für das ZIM bleiben die Investitionen insgesamt hinter den ambitionierten Zielen und dem tatsächlichen Innovationsbedarf zurück. Ergänzung: Nach aktuellen Berichten in deutschen Leitmedien verstärkt sich das Gefühl einer drohenden Standortschwäche, die nicht nur Biotech- oder Digitalbranchen betrifft, sondern quer durch nahezu alle Industriezweige reicht. Die zeitgleiche Diskussion um Bürokratieabbau, beschleunigte Genehmigungsverfahren und den Abfluss von Forschungs- und Entwicklungspotential ins Ausland sorgt für erhitzte Debatten. Ökonominnen, Betriebsräte und Verbände fordern daher eine ganzheitliche Industriepolitik, die ressortübergreifend und auf lange Sicht plant – etwa durch steuerliche Forschungsförderung, Entlastung von Regularien und gezieltere Unterstützung von Transformationsprozessen, etwa im Bereich Klimaschutz oder Bildung.

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