Bundeswehr im Zwielicht: Strengere Kontrollen nach Skandalen gefordert

Nach schwerwiegenden Vorwürfen von Rechtsextremismus und sexistischem Verhalten im Fallschirmjägerregiment 26 mahnt der Wehrbeauftragte Henning Otte eine durchgreifende Überarbeitung und Verschärfung der Kontrolle innerhalb der Bundeswehr an.

heute 07:58 Uhr | 3 mal gelesen

Es ist mehr als nur ein weiteres Kapitel im Buch der Bundeswehr-Skandale: Sobald Rechtsextremismus und Sexismus in den eigenen Reihen ans Licht kommen, klingt der Ruf nach Aufklärung erwartet laut – aber diesmal fordert Wehrbeauftragter Henning Otte nicht nur Maßnahmen, sondern einen grundlegenden Wandel bei der Dienstaufsicht. "Wir brauchen eine ehrlichere und konsequentere Kontrolle – auf allen Befehlsebenen", sagte Otte im Gespräch mit der 'Bild'. Er verweist auf die Bedeutung der Inneren Führung und darauf, dass Integrität das Rückgrat der Truppe sei. Schon der Verdacht, dass solche Vorfälle seit Jahren unbehelligt passieren konnten, erodiert das nötige Vertrauen unter Soldaten und stellt die Einsatzfähigkeit in Frage. Thomas Röwekamp, der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, sieht die Angelegenheit noch schärfer: Für ihn sind die Vorfälle ein Spiegel für die strukturellen Schwächen der Bundeswehr, ihre Führung, ja sogar ihre Kultur. "Hier geht es nicht bloß um individuelle Entgleisungen. Solche Zustände deuten auf ein tiefergehendes Versagen bei der Verantwortung und Fürsorge", erklärte er gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und verwies darauf, dass offenbar Angst vor negativen Folgen verhindert habe, dass Missstände gemeldet wurden. Ein Gedanke, der stutzig macht – denn wie kann das so lange unbemerkt bleiben? Für die Zukunft, so fordern Otte und Röwekamp mit ungewöhnlichem Nachdruck, müsse die Meldekultur gestärkt und Vorgesetzte konsequenter zur Verantwortung gezogen werden. Sonst drohe die Bundeswehr nicht nur, in der öffentlichen Wahrnehmung weiter an Boden zu verlieren, sondern auch die Bereitschaft künftiger Generationen, diesen Dienst zu wählen.

Die aktuellen Skandale im Fallschirmjägerregiment 26 werfen ein grelles Licht auf gravierende Missstände bei der Bundeswehr: Neben systemischen Mängeln in Aufsicht und Führung erschweren eine mangelnde Meldekultur und offenbar tief verankerte Defizite die Aufarbeitung und Prävention von Rechtsextremismus und Sexismus. Die Debatte erhält zudem durch zunehmende Berichte über Strukturschwächen der Bundeswehr zusätzliche Brisanz. Neu recherchierte Fakten belegen, dass in den letzten Monaten zudem Fälle von Mobbing, Diskriminierung und psychischem Druck in verschiedenen Einheiten öffentlich gemacht wurden – nicht nur im Heer, sondern auch bei Luftwaffe und Marine. Aktuell wird verstärkt darüber diskutiert, wie die Bundeswehr Ausbildungsinhalte und Beschwerdewege überarbeitet, um ein Klima der Offenheit und der Null-Toleranz gegenüber diskriminierenden Verhaltensweisen zu schaffen. Darüber hinaus berichten Soldaten in sozialen Netzwerken häufiger anonym über Misstrauen gegenüber Vorgesetzten, was Veränderungsdruck auf die militärischen Strukturen weiter erhöht.

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