Carlsen-Verlag sieht Urheberrechte durch KI bedroht: Warnung an Buch-Fans
Sandra Harzer-Kux, Chefin des Carlsen-Verlags, wendet sich mit eindringlichen Worten an Leserinnen und Leser: Sie bittet dringend darum, keine KI-Versionen geliebter Romane oder Geschichten zu erschaffen. 'Verzichten Sie darauf, Ihre Lieblingshelden via Roboter weiterleben zu lassen,' äußert Harzer-Kux im Gespräch mit der ZEIT – zu hören ist dabei eine Mischung aus Ratlosigkeit und Sorge.
heute 13:41 Uhr | 3 mal gelesen
Wer hat nicht neugierig daran gedacht, KI einfach mal die Fortsetzung eines Lieblingsbuchs schreiben zu lassen? Sandra Harzer-Kux, die sich als Leiterin bei Carlsen mit Kindesbeinen im Reich der Geschichten bewegt, versteht den Spieltrieb sogar – sie weiß um die Faszination der Technik. Doch je mehr sie sich in die Thematik einarbeitet, desto mulmiger wird ihr dabei: Denn die Sache hat einen Haken, der leicht übersehen wird. Das Urheberrecht – ein Wort, das wohl den meisten Kopfzerbrechen bereitet, ist hier mehr als nur eine bürokratische Hürde. 'Uns ist klar geworden', erzählt Harzer-Kux, 'dass KI-Systeme wie ChatGPT offenbar Werke wie das „Neinhorn“ als Vorlage genutzt haben.' Als der Verlag selbst testweise den Bot um eine neue Neinhorn-Geschichte bat, trauten sie ihren Augen kaum: Der Text klang frappierend nach dem Original, selbst das Cover wirkte wie eine echte Nachbildung, erfundene Autoren inklusive. 'Es ist wirklich unheimlich, wie detailverliebt KIs mittlerweile nachahmen können.' Der Schaden für Autor:innen wie Illustratoren – und langfristig für die Branche insgesamt? Kaum absehbar.
Am Mittwoch ließ der Verlag daher verlauten: Gemeinschaftlich mit Marc-Uwe Kling und Astrid Henn wird OpenAI auf Unterlassung verklagt. Die vorab eingeholte Reaktion aus Kalifornien empfand man als unbefriedigend – es geht offensichtlich ums Prinzip. Harzer-Kux will damit ein Signal setzen: So geht es mit dem Schutz geistigen Eigentums nicht weiter.
Die Kontroverse um KI-geschaffene Literatur spitzt sich aktuell zu. Carlsen sieht – vor dem Hintergrund der eigenen Klage gegen OpenAI – die Rechte von Autor:innen und Zeichner:innen zunehmend in Gefahr, seitdem Programme wie ChatGPT offenbar ohne Rücksicht auf geistiges Eigentum agieren. In den letzten Tagen ist die mediale Aufmerksamkeit massiv gestiegen: Aktuelle Beiträge betonen die Unsicherheit der gesamten Kreativbranche, die mithilfe generativer KI in eine rechtliche und auch wirtschaftliche Grauzone gedrängt wird. Die Süddeutsche Zeitung berichtete, dass Verlage immer stärker den Verlust ihrer Geschäftsgrundlage fürchten, da KI-basierte Werke kaum noch von den Originalen unterscheidbar sind. Die ZEIT hebt hervor, dass der Streit Carlsen vs. OpenAI zum Präzedenzfall in Sachen Urheberrecht und KI werden könnte – und weltweit als Wegweiser gilt. Die taz lenkt den Blick auf den Alltag: Eltern und Schule stehen ratlos vor dem Problem, ob und wie KI-generierte Inhalte zu erkennen und verantwortungsvoll zu nutzen sind – von rechtlichen Fallstricken bis zur Medienkompetenzentwicklung.