Chemieindustrie in Deutschland: Stimmung verschlechtert sich weiter

Die deutschen Chemieunternehmen blicken zunehmend sorgenvoll in die Zukunft – der Geschäftsklimaindex fällt im Mai erneut.

heute 07:54 Uhr | 3 mal gelesen

Die wirtschaftliche Stimmung bei den deutschen Chemieunternehmen wird immer frostiger: Der aktuelle Ifo-Geschäftsklimaindex rutschte im Mai auf -30,2 Punkte und lag damit noch tiefer als im April, als er bereits schwache -28,6 Punkte angezeigt hatte. Interessanterweise schätzen die Firmen ihre gegenwärtige Lage etwas besser ein (-17,5 statt -25,8 Punkte im Vormonat), aber was kommt, bereitet echtes Kopfzerbrechen: Die Erwartungen für die nächsten Monate fielen dramatisch auf -42,0 Punkte – der Pessimismus nimmt deutlich zu. Anna Wolf vom Ifo-Institut drückt es so aus: Die leichte Erholung, die aktuell spürbar ist, werde von den Unternehmen selbst als bloßes Strohfeuer empfunden, keinesfalls als Trendwende. Zwar profitieren einige Betriebe noch immer vom gestiegenen Bedarf an Chemieprodukten aufgrund von weltweiten Lieferschwierigkeiten, aber Entspannung sieht anders aus. Rund ein Drittel der Firmen leidet mittlerweile unter Nachschubproblemen für wichtige Ausgangsmaterialien (im ersten Quartal waren es nur 7 Prozent), was das Produktionsleben richtig erschwert. Und: Wer glaubt, mit Preiserhöhungen wäre alles gelöst, irrt. Dermaßen schießen die Preise für chemische Waren in die Höhe – der Preisanstieg-Index kletterte zuletzt auf satte 47,5 Punkte (im April: 32,5). Das ist nicht nur für Kunden bitter, sondern auch für die Planbarkeit der Hersteller selbst. Wenige Hoffnungszeichen: Überwiegend planen die Unternehmen, die Produktion herunterzufahren, Personal zu reduzieren und erwarten auch aus dem Ausland keine Impulse. Das Exportbarometer ist jedenfalls mit nur noch -15,7 Punkten ziemlich im Keller angelangt (April: -2,0). Kurzum: Der gegenwärtige Aufschwung wirkt eher wie ein schneller Lufthauch, aber die tieferliegenden Herausforderungen – etwa hohe Kosten, unsicherer Marktausblick und Rohstoffknappheit – sind alles andere als gelöst.

Der Geschäftsklimaindex in der deutschen Chemiebranche spiegelt eine anhaltend schwierige Lage wider: Trotz einer kleinen Verschnaufpause im aktuellen Geschäft verdüstern sich die Erwartungen der Unternehmen. Besonders belastend sind neben der Rohstoffknappheit auch steigende Produktionskosten infolge hoher Energiepreise und anhaltender Unsicherheit auf dem Weltmarkt. Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen, wie etwa der Fachkräftemangel und neue regulatorische Anforderungen durch die EU-Gesetzgebung, die die Branche verunsichern. Laut aktuellen Medienrecherchen sieht die Branche insgesamt nur wenig kurzfristiges Licht am Ende des Tunnels. Im Kontext der gesamten Industrie leidet die Chemie besonders stark unter geopolitischen Spannungen, einem schwachen globalen Wirtschaftsausblick und Herausforderungen beim Umbau zur grünen Produktion.

Schlagwort aus diesem Artikel