Mehr Eigenverantwortung für Pflegebedürftige? Unionspolitiker fordert Umdenken

In der Dauerdebatte um die Zukunft der gesetzlichen Pflegeversicherung plädiert Albert Stegemann (CDU), stellvertretender Fraktionschef im Bundestag, für eine stärkere Beteiligung der Betroffenen – auch mit Blick aufs eigene Vermögen.

heute 07:54 Uhr | 5 mal gelesen

„Eine Art Erbschutzprogramm zulasten aller können wir uns nicht leisten“, bringt es Stegemann im Gespräch mit der ‚Bild‘ auf den Punkt. Seine Kernbotschaft: Wer über Ressourcen verfügt, etwa Immobilien oder angespartes Geld, solle erst diese Reserven mobilisieren – bevor der Staat einspringt. Das dürfte für die einen wie ein schweres Brett klingen, für andere eine logische Konsequenz. Interessant ist zudem, dass Stegemann auf private Vorsorge setzt – sei es durch zusätzliche Pflegeversicherungen, Aktien oder das klassische Eigenheim. Dahinter steckt wohl mehr als das Bekenntnis zum Eigenengagement: Man will verhindern, dass ausufernde Sozialbeiträge die Wirtschaft abwürgen und der Sozialstaat aus dem Ruder läuft. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Wie sieht die Zukunft der Pflege wirklich aus? Denn eine grundlegende Reform, darin ist man sich inzwischen fast parteiübergreifend einig, scheint unausweichlich. Nur über das Wie wird bislang heftig gerungen.

Die Forderung von Albert Stegemann ist nicht neu, erhält aber im Kontext wachsender Pflegekosten erneut Brisanz. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt seit Jahren, die Zuschüsse aus der Pflegeversicherung reichen schon heute vielerorts nicht aus – Eigenanteile der Pflegebedürftigen haben Rekordhöhen erreicht. Während Stegemann auf finanzielle Eigenverantwortung und private Vorsorge pocht, kritisieren Sozialverbände solche Vorstöße als unsozial, denn nicht alle besitzen ein Eigenheim oder sind in der Lage, nennenswertes Vermögen anzusparen – besonders Alleinlebende und Menschen mit geringerem Einkommen bleiben dabei häufig auf der Strecke. Neuere Entwicklungen zeigen zudem: Das Bundeskabinett diskutiert derzeit verschiedene Modelle für die künftige Finanzierung, darunter auch die Deckelung von Pflegekosten und eine stärkere steuerfinanzierte Beteiligung, um die Lasten gerechter zu verteilen. Praktisch von Tag zu Tag mehren sich die Stimmen, die davor warnen, Pflegebedürftige finanziell zu überfordern und ein Auseinanderdriften der Gesellschaft zu riskieren.

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