Clemens Fuest: Teilzeit als Ablenkung vom Kernproblem

Ifo-Präsident Clemens Fuest positioniert sich hinter der Kritik an der sogenannten ‚Lifestyle-Teilzeit‘, sieht darin aber nur die Oberfläche einer viel tieferliegenden Problematik. Statt an der Teilzeit-Debatte festzubeißen, fordert er gezielte Veränderungen am Sozialsystem.

heute 17:13 Uhr | 4 mal gelesen

Ehrlich gesagt – die Teilzeit-Geschichte, die da gerade hochkocht, scheint Clemens Fuest nicht besonders zu beeindrucken. ‚Klar ist die Diskussion nicht verkehrt‘, räumt er zwar ein, aber das eigentliche Problem liegt für ihn woanders: Wer mehr arbeitet als nötig, der hat vom Mehrverdienst oft enttäuschend wenig. Gerade im Gehaltsband zwischen 3.000 und 5.000 Euro bleibt durch hohe Abgaben und den Wegfall von Unterstützungen wie Wohngeld oft nicht viel mehr übrig. Da zieht manch einer, fast schon verständlich, eben die Reißleine und bleibt Teilzeit. Fuest meint, genau hier müsse die Politik ernsthaft ran und die Strukturen ändern – weniger Nebenkriegsschauplätze, mehr Mut zum Systemumbau.

Clemens Fuest, Chef des Ifo-Instituts, hält die Debatte um Teilzeit eigentlich für ein Ablenkungsmanöver. Seiner Ansicht nach sitzt das Problem tiefer: Viele Menschen erleben, dass sich Mehrarbeit kaum noch lohnt, weil ihre Nettoeinnahmen wegen der Ausgestaltung des Sozialsystems nur minimal steigen oder Zuschüsse wegbrechen. Fuest fordert deshalb grundlegende Reformen, insbesondere für jene mit mittleren Einkommen, damit sich zusätzliche Erwerbsarbeit für diese Gruppe endlich wieder lohnt. Was wurde dazu in den letzten Tagen diskutiert? Im aktuellen Diskurs betonen Stimmen aus Wirtschaft und Politik, dass Deutschland beim Arbeitsangebot Nachholbedarf hat, besonders angesichts des demografischen Wandels und Arbeitskräftemangels. Zugleich gibt es Kritik an Stigmatisierung von Teilzeitarbeitenden – viele entscheiden sich aus familiären Gründen oder wegen Überlastung bewusst für Reduzierung, nicht nur aus reiner ‚Bequemlichkeit‘. Letztlich bleibt die Frage, wie das Sozialsystem sowohl Chancengerechtigkeit als auch ‚Leistungsanreize‘ sicherstellen kann.

Schlagwort aus diesem Artikel