Linken-Politikerin Reichinnek warnt vor Gesundheitsrisiken durch mögliche Einschränkung von Teilzeit-Arbeit

Heidi Reichinnek, Chefin der linken Bundestagsfraktion, äußert scharfe Kritik am CDU-Vorstoß gegen Teilzeitansprüche – und sieht Risiken für die Gesundheit von Beschäftigten.

heute 16:32 Uhr | 3 mal gelesen

Man fühlt sich fast schon in alte Zeiten zurückversetzt, wenn es plötzlich wieder heißt: Weg mit den Rechten, zurück zur Pflicht. Genau das wirft Heidi Reichinnek (Die Linke) der Mittelstands- und Wirtschaftsunion von CDU/CSU vor, die laut überlegt, das Recht auf Teilzeitarbeit zu beschneiden. Bei einem Fernsehinterview mit RTL und ntv brachte sie auf den Punkt, was viele beschäftigt: Sollten Beschäftigte sich in Zukunft wirklich wieder rechtfertigen oder gar "betteln" müssen, um weniger arbeiten zu dürfen? Hinter dem scheinbar nüchternen Vorstoß sieht Reichinnek glasklar die Gefahr, dass ausgerechnet diejenigen unter Druck geraten, die aktuell schon am Limit arbeiten – etwa in Pflege oder Reinigung, wo für viele ohnehin bei maximal 30 Wochenstunden Schluss ist. Der Gedanke, dass Teilzeitarbeit einfach nur ein "Lifestyle" sei, ist für sie abwegig: Oft steckt Notwehr dahinter, ein Versuch, sich selbst zu schützen. Reichinnek befürchtet: Wer die Daumenschrauben anzieht und Menschen zur Arbeit pusht, die sie gesundheitlich nicht stemmen können, der produziert am Ende nur mehr Krankheit und Ausfälle. Dabei wäre ein kluger Blick gefragt, der die Betreuungssituation etwa für Familien verbessert – viele Mütter würden ja gern mehr arbeiten, könnten dies aber gar nicht. Für Reichinnek ein klarer Punkt: "Investitionen sind notwendig – und gerade das will die Union tunlichst vermeiden, indem sie lieber die Verantwortung auf die Beschäftigten abwälzt."

Die Diskussion um eine mögliche Einschränkung des Rechts auf Teilzeit beschäftigt aktuell nicht nur Gewerkschaften und Sozialverbände, sondern auch die Politik selbst ganz massiv. Ein Vorstoß der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, die gesetzlich garantierten Teilzeitansprüche zurückzufahren, stößt vor allem bei der Linken auf heftige Kritik: Heidi Reichinnek sieht massive gesundheitliche Risiken für zahlreiche Beschäftigte, falls Arbeitende gezwungen würden, gegen ihre Kapazitäten Vollzeit zu leisten. In der gesellschaftlichen Debatte mehren sich Stimmen, die warnen, dass eine solche politische Kursänderung besonders vulnerable Gruppen wie Pflegende, Alleinerziehende oder ältere Arbeitnehmer treffen würde – und mittel- bis langfristig sogar die Arbeitsfähigkeit der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft bedroht. Aktuell berichten Medien wie die Süddeutsche oder die Zeit über diese Debatte, weil sie einen Nerv trifft: Während Unternehmen über Fachkräftemangel klagen und auf höhere Arbeitszeiten pochen, verweisen Kritiker auf fehlende Strukturen wie Betreuungsplätze und flexible Arbeitszeitmodelle – ein Dilemma, das angesichts des Wandels der Arbeitswelt zunehmend an Dringlichkeit gewinnt. Die wirtschaftlichen wie ethischen Folgen einer Verschärfung oder Lockerung der Teilzeit-Regelungen werden in aktuellen Kommentaren vielschichtig beleuchtet. Ein weiteres, im politischen Hintergrund mitschwingendes Motiv: Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit und der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erhält in diesen Tagen neue Brisanz.

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