Angriff auf Kirchen in Nigeria: Über 170 Christen während Gottesdiensten verschleppt

Kelkheim – Es sind Szenen, die man kaum ertragen kann: Am 18. Januar überfielen bewaffnete Unbekannte drei christliche Kirchen im südlichen Teil Kaduna, Nigeria. Knapp 180 Gläubige wurden während des Gottesdienstes gekidnappt. Berichte von Open Doors zeigen erschreckende Augenzeugenberichte und die verzweifelte Lage der Angehörigen.

heute 16:31 Uhr | 2 mal gelesen

Hoffnungslosigkeit, Angst und improvisierte Rettung

Die Gewalt kam wie ein Sturm. Nach dem Überfall auf Kurmin Wali drang nur zögerlich die Wahrheit ins Licht: Mehr als 170 Christen wurden während der Messe entführt – unter ihnen Kranke, Kinder, ganze Familien. Kaum waren die Täter im Morgengrauen verschwunden, versuchten Behörden, die Tragödie zu vertuschen und sperrten kurzerhand alle Zugänge zum Ort ab. Aber Dauda* von Open Doors ließ sich nicht stoppen. Er bahnte sich einen Weg durch die offiziellen Abschottungen und fand Menschen vor, die aus Angst nun im Busch nächtigen.

Der Kirchenfunktionär Yunana Adauji steckt noch immer in Schockstarre: "Die bewaffneten Täter tauchten mitten im Gebet auf und schrien. Dann prügelten sie alle in eine Richtung, drohten zu schießen, quälten die langsameren unter uns. Alte, Kranke, Kinder – niemand wurde verschont." Was danach geschah, klingt wie ein Alptraum aus nächster Nähe: Die Entführten wurden in den Busch getrieben und sind seitdem verschwunden. "Wir wachen nachts vor Sorge auf. Jeder Tag ist ein endloser Kreis aus Warten und Beten."

Eine junge Mutter, deren gesamter Haushalt - Mann und neun Kinder - fort ist, berichtet mit brüchiger Stimme, dass sie ihren Säugling kaum versorgen kann. "Die Kälte draußen im Busch ist unser ständiger Feind. Mein Kind ist krank, aber zurück ins Dorf kann ich nicht – Angst und Verzweiflung fressen mich auf."

Flucht, Gewalt, Überleben

Von vielen gibt es kaum Lebenszeichen. Mai Girma Shekarau, der entkommen konnte, schildert einen Spießrutenlauf: "Wir mussten kilometerweit mit Wunden marschieren. Diejenigen, die zurückfielen, wurden geprügelt. Ich wurde am Kopf verletzt, habe mein Kleinkind im Arm – wir haben uns schließlich in zerfallenen Häusern versteckt, hoffend, uns entdecke niemand mehr." Momente der Rettung und Angst, die sich abwechseln.

Systematische Gewalt – Open Doors Alarm schlägt Wellen

Nigeria ist einer der gefährlichsten Orte für Christen weltweit – das belegt auch der neue Weltverfolgungsindex. Im Ranking steht Nigeria auf Platz sieben. Die Gewalt ist systematisch, der Exodus ganzer Gemeinden Alltag. Immer öfter greift Open Doors ein und versucht, Traumahilfe zu leisten, Bibeln zu verteilen und internationale Solidarität anzustoßen (www.opendoors.de/arise-africa).

Zur Info: Open Doors

Seit über 70 Jahren ist die Organisation für verfolgte Christen im Einsatz. Jedes Jahr erscheint der Weltverfolgungsindex; dort sind nicht nur afrikanische, sondern weltweit 50 Länder gelistet, in denen Christen massiv unter Druck geraten. Die Projekte – von Stillgruppen bis Gefangenenbetreuung – werden durch Spenden gestützt, oftmals unter enormen Gefahren.

Pressefragen an:
Open Doors Deutschland e.V.
Postfach 11 42, 65761 Kelkheim
Tel: +49 6195 6767-180
E-Mail: pressebuero@opendoors.de
Website: www.opendoors.de

Die massenhafte Entführung von Christen während der Gottesdienste am 18. Januar in Kaduna, Nigeria, verdeutlicht erneut die anhaltende Unsicherheit und Gewalt, die in manchen Regionen des Landes herrscht. Trotz wiederholter Versuche der Behörden, solche Vorfälle unter Verschluss zu halten, gelangen dennoch bewegende und zutiefst erschütternde Augenzeugenberichte an die Öffentlichkeit. Das Leid der Familien – viele von ihnen mit Kindern und Kranken – zeichnet ein Bild von Angst, Hilflosigkeit und Resignation, während Hilfswerke wie Open Doors sich bemühen, akute Nothilfe und langfristige Unterstützung zu organisieren. In nigerianischen, insbesondere ländlichen Regionen, sind Angriffe auf christliche Gemeinden weiterhin erschreckend häufig. Wie verschiedene Medien in den letzten 48 Stunden berichten, hält die Gewalt an: Immer mehr Gemeinschaften verstecken sich nachts vor Angst vor weiteren Übergriffen. Parallel dazu fordern Menschenrechtsorganisationen erneut internationale Aufmerksamkeit und politischen Druck, da die Täter oft ungestraft bleiben und die lokale Bevölkerung mit der Bedrohung alleingelassen wird.

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