Neuerscheinung im Fokus: 'Hoher Norden' – Die Arktis zwischen Klimawandel, Machtspielen und Rohstoffen

Die Arktis erlebt nicht nur die Folgen des Tauwetters, sondern wird zunehmend zur Bühne für internationale Rivalität. Der aktuelle Sammelband 'Hoher Norden' beleuchtet, wie Klimawandel und geopolitische Interessen diese extreme Region verändern – und was das für Europa bedeutet.

heute 16:05 Uhr | 2 mal gelesen

Der frisch erschienene Band 'Wegweiser zur Geschichte. Hoher Norden' ist ein Gemeinschaftswerk zwischen dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) und dem COE CSW in Kiel. Fachleute mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln – Historiker, Politikwissenschaftler, Umweltforscher – nehmen die Entwicklungen am Polarkreis auseinander: Mal analytisch-kühl, dann wieder mit einer Prise Skepsis, wenn es um politische Verwicklungen geht. Besonders eindrücklich: Die Bewertung von Prof. Dr. Carlo Masala, der die Kontroversen bündelt. Den Lesenden begegnen Karten, Grafiken, und seltene Bilder, die das trockene Thema erstaunlich anschaulich machen. Apropos Kontroversen – da war ja noch Trumps Grönland-Offensive: 2019 weckte der US-Präsident mit der Idee, Grönland einfach zu kaufen, einige Irritationen – möglicherweise auch Grinsen. Später, in seiner zweiten Amtszeit, wurde der Ton schärfer. Der Vorstoß zeigte, wie existenziell strategisch die Region inzwischen bewertet wird – als Sicherheitsfaktor, als Rohstoffquelle, als Knotenpunkt für Handelsrouten. Nach dem Davoser Weltwirtschaftsforum 2026 (übrigens: interessante Kaffeepausen dort, wie berichtet wird) hat sich die Lage vorerst beruhigt, aber unterschwellig schwelt die Frage nach Einflusssphären weiter. Ohnehin steht die Polarregion längst im Zentrum globaler Konkurrenz: Russland, die USA, China – aber auch Norwegen, Kanada, Dänemark und die EU ringen leise (und manchmal laut) um Vorrechte. Warum? Weil das Eis immer weiter schmilzt, weil gewaltige Rohstoffvorkommen locken und neue Schifffahrtsrouten attraktiv erscheinen. In diesem Spannungsfeld stellt sich sogar die Frage: Gehört China wirklich zum Kreis der 'Anrainerstaaten', wie es behauptet? Und wie einig bleibt die NATO, wenn Grönland plötzlich zum Prüfstein wird? Die Beiträge im Buch drehen sich nicht nur um Vergangenes, sondern beleuchten ganz konkret die aktuellen Risiken, die wirtschaftlichen Chancen und die Herausforderungen für die Bundeswehr und die westlichen Bündnisse. Noch mehr zur Publikation – sowie einen Download des kompletten Werks – finden Interessierte unter folgendem Link: [zur Publikation auf der Seite des ZMSBw](https://zms.bundeswehr.de/de/publikationen-ueberblick/hoher-norden-die-arktis-und-ihre-anrainerstaaten-6060566). Ansprechbar bleibt übrigens Oberstleutnant Gutzeit in Potsdam für Fragen, Lob oder kritische Einwürfe.

Der Band 'Hoher Norden' greift die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dynamiken rund um die Arktis auf und kann, so viel steht fest, als Wegweiser durch ein geopolitisch immer umkämpfteres Terrain dienen. Klimawandel, militärische Interessen und der Zugriff auf Ressourcen machen den Hohen Norden zum Pulverfass – das übrigens häufig abseits des allgemeinen Medientrubels brodelt. Besonders bemerkenswert: Grönland und seine strategische Rolle, die US-amerikanische Begehrlichkeiten wecken – was wiederum den Zusammenhalt innerhalb der NATO auf die Probe stellt und russische sowie chinesische Ambitionen verstärkt. ERGÄNZUNG – Stand Juni 2024: Laut aktuellen Recherchen häufen sich Berichte, dass russische Eismilitäroperationen und Infrastrukturprojekte im hohen Norden weiter ausgebaut werden. China unterstreicht unterdessen diplomatisch seinen Anspruch als „nahezu arktischer Staat“ mit neuen Investitionen in Verkehrswege und Forschung. In Brüssel und Berlin betonen Diplomaten, dass das fragile Gleichgewicht in der Arktis zunehmend regelmäßige multilaterale Konsultationen erfordert, um regionale Spannungen einzudämmen.

Schlagwort aus diesem Artikel