Commerzbank-Chefin: Unsere Verteidigungsstrategie steht – auch trotz Unicredit

Für Bettina Orlopp, Vorstandssprecherin der Commerzbank, bedeutet der starke Einstieg von Unicredit keineswegs ein Scheitern ihrer Linie. Sie hält an der eigenen Wachstumsstrategie fest – und betont: Das Unternehmen bleibt eigenständig und widerstandsfähig.

heute 13:05 Uhr | 1 mal gelesen

„Erinnern wir uns zurück: Im Spätsommer 2024 war unser Aktienkurs ziemlich unter Wert gehandelt, zumindest aus meiner Sicht“, beginnt Orlopp im Gespräch mit der FAZ. „Doch wir haben geliefert, was wir angekündigt haben – und durchaus Substanz geschaffen. Allzu oft werden Abwehrmechanismen als destruktiv gesehen, dabei können sie auch sinnvoll sein. In unserem Fall steht fest: Wir verfolgen keinen Weg, der Werte vernichtet“, hält sie fest. Die Bilanz spricht Orlopp zufolge für sich – 2025 war ein Ausnahmejahr, die kommenden ambitionierten Ziele seien greifbar. Unicredit vergrößerte jüngst durch ein öffentliches Umtauschangebot seinen Einfluss auf fast 50 Prozent der Stimmrechte. Allerdings – und das betont Orlopp nachdrücklich – tritt dieser Anteil erst mit dem grünen Licht der EZB wirklich in Kraft. Von der Mehrheits- oder gar Kontrollschwelle sei der italienische Großinvestor noch weit entfernt. Verstärkt wird die Lage dadurch, dass Unicredit zwar Anteilseigner, aber auch direkter Konkurrent ist. „Diese Doppelrolle sorgt zwangsläufig für Spannung, keine Frage“, räumt sie ein. Trotzdem ändere sich im Alltagsgeschäft zunächst wenig. Es würden weiterhin nur allgemeine Marktinformationen geteilt, streng nach Gleichbehandlung aller Anteilseigner. Was für eine tatsächliche Kontrolle nötig wäre? Laut Orlopp müsste Unicredit umfangreiche Hürden nehmen – strukturelle Anpassungen, breite Mehrheiten, viel Unterstützung aus dem Management, vom Aufsichtsrat, von der Belegschaft und dem Staat. Solange es keinen Beherrschungsvertrag oder Squeeze-out gebe, bleibe die Commerzbank unabhängig. „Es ist unsere Pflicht, das Unternehmen eigenständig zu führen – auch wenn Unicredit immer im Hintergrund ist.“ So leicht gibt sie die Zügel nicht aus der Hand.

Bettina Orlopp, das aktuelle Gesicht an der Spitze der Commerzbank, widerspricht der Auffassung, dass die Einflussnahme von Unicredit auf eine gescheiterte Verteidigungsstrategie hindeute. Sie verweist auf die positive Entwicklung des Aktienkurses sowie die Einhaltung selbstgesteckter Versprechen gegenüber Investor:innen, seitdem die Expansionspläne 2024 vorgestellt wurden. Trotz der Erweiterung der Stimmrechte von Unicredit bleibt die Kontrolle formal beschränkt – entscheidend ist laut Orlopp die fehlende qualifizierte Mehrheit und das Fehlen eines Beherrschungsvertrags. Angesichts des durchaus angespannten Verhältnisses – schließlich teilt man sich die Aktionärsliste mit einem direkten Mitbewerber – bleibt das Tagesgeschäft von der Entwicklung bislang weitgehend unberührt. Orlopp betont, dass Loyalität und Transparenz gegenüber allen Interessengruppen das Bankengeschäft bestimmen, und signalisiert, dass ein vollständiger Einflusswechsel zahlreiche Hürden, auch politischer Natur, zu nehmen hätte. ERGÄNZUNGEN AUS DER RECHERCHE: In den letzten 48 Stunden gab es mehrere Berichte über die Unsicherheit im deutschen Bankensektor hinsichtlich ausländischer Großinvestoren, insbesondere mit Blick auf steigende geopolitische Risiken. Zudem wurde diskutiert, wie die Bundesregierung in diesem Fall als zweitgrößter Aktionär eine Schlüsselrolle bei etwaigen Übernahmeversuchen spielen könnte. Einige Analyst:innen heben hervor, dass das komplexe Zusammenspiel aus Aufsicht, Politik und Wettbewerbsdruck in Europas Banklandschaft ohnehin zunehmend für Spannungen sorgt.

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