Iris Berben, die über Jahrzehnte hinweg immer wieder öffentlich Haltung gegen Intoleranz und Hass zeigt, wurde am 8. Juli mit dem Annemarie-Renger-Preis des ASB ausgezeichnet. Für Berben ist das Bekenntnis zur Demokratie keineswegs reine Formsache – sie sagte bei der Feierstunde offen, dass sie nie geglaubt hätte, die Grundlagen unseres Gemeinwesens könnten noch einmal wanken: 'Demokratie ist weder Gott gegeben noch für ewig sicher', gab sie zu bedenken. Vielmehr brauche es jeden Tag neu die Entscheidung, verantwortlich zu handeln, und nicht träge zu werden. Gerade das Mitgefühl, dieses oft zitierte, manchmal aber auch als Schwäche abgetane Gefühl, sieht sie als entscheidend an, um Gleichgültigkeit zurückzudrängen.
Besondere Erwähnung verdient ihre Entscheidung, das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro dem „Parents Circle Families Forum“ zu widmen – einer Initiative israelischer und palästinensischer Familien, die gemeinsam durch tiefe Verluste geeint, einen schmalen Weg zu Versöhnung und Verständigung suchen. Solche Gesten sind es, die Symbolkraft gewinnen, weil sie Hoffnung auf friedlichere Töne im weltweiten Diskurs erlauben.
Prof. Dr. Gesine Schwan erinnerte mit ihrer Keynote daran, dass Solidarität sich nicht auf Appelle beschränken dürfe – sie lebt in der Praxis, im alltäglichen Hinschauen und Eingreifen. Sie mahnte davor, der egoistischen Logik, nach der jeder nur sich selbst der Nächste ist, zu folgen. Nur im gelebten Gemeinsinn könne Demokratie Stürme überstehen, meinte Schwan – im Grunde eine fast altmodische Idee, aber vielleicht nötiger als je.
Der ASB betonte an diesem Abend zudem, dass Einsatz für das große Ganze nicht an einzelnen Personen hängen darf. Wer wie Berben Haltung zeigt, macht Mut – aber am Ende muss es ganz viele erreichen, die sich einbringen. Im Anschluss an die Preisverleihung wurde bei sommerlicher Atmosphäre am Spreeufer weiterdiskutiert – vermutlich wurden auch leise Zweifel und kritische Anmerkungen ausgetauscht (wie das eben so ist, wenn engagierte Leute zusammenkommen).
Der Annemarie-Renger-Preis, so viel sei noch gesagt, wird vom ASB seit 2013 an solche Persönlichkeiten oder Initiativen verliehen, die sich wirklich für das Gemeinwohl stark machen. Annemarie Renger, an die der Preis erinnert, wusste um die Mühen der Ebene in Sachen Solidarität und Demokratie. Und der ASB selbst? Der bleibt mit seinen 1,6 Millionen Mitgliedern einer der „großen Kümmerer“ in Deutschland – politisch und konfessionell ungebunden, aber immer nah dran an Menschen, die Hilfe brauchen.
Die diesjährige Vergabe des Annemarie-Renger-Preises unterstreicht, wie krisenanfällig unsere Demokratie bleibt und wie entscheidend individuelles Engagement für deren Stärkung ist. Iris Berben erhielt den Preis für ihr kontinuierliches Eintreten gegen Antisemitismus und Ausgrenzung; ihr Engagement in Initiativen zur Zivilcourage wurde erneut sichtbar – der Verzicht auf das Preisgeld zugunsten eines israelisch-palästinensischen Friedensprojekts ist ein starkes Signal für Verständigung. Aktuelle Berichterstattung unterstreicht die Notwendigkeit, demokratische Werte im Alltag zu leben: Jüngste Artikel, etwa aus der ZEIT, der Süddeutschen oder der FAZ, nehmen aktuell eine besorgniserregende Zunahme von Demokratieverdruss, Radikalisierungstendenzen und den Wert zivilgesellschaftlicher Resilienz ins Visier. Studien warnen erneut vor Angriffen auf unabhängige Medien und die zunehmende Spaltung der Gesellschaft durch Desinformation. Die Bedeutung von Vielfalt und gegenseitigem Respekt in der Demokratie wird besonders vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche und anhaltender Polarisierung betont.