Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Rettungsdienste zwischen Finanzdruck und Versorgungsauftrag

München – Die großen Akteure des deutschen Rettungsdienstes, sowohl am Boden als auch in der Luft, warnen eindringlich: Das geplante Gesetz zur Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) könnte drastische Auswirkungen auf die Notfallversorgung haben.

heute 18:58 Uhr | 2 mal gelesen

Rettungsdienste in Deutschland – von der ADAC Luftrettung über das Deutsche Rote Kreuz bis hin zu den Johannitern und Maltesern – ziehen gerade an einem Strang. Ihr Appell: Der Gesetzentwurf zur Deckelung der GKV-Beiträge droht, die Notfallrettung finanziell auszutrocknen. Problematisch sei vor allem, dass der Rettungsdienst mit seinen hohen, oft von außen bestimmten Kosten und der ohnehin prekären Personallage in denselben engen Finanzierungskorsett gezwängt werden soll wie andere Gesundheitsdienstleister. Wie soll eine schnelle Rettung noch funktionieren, wenn Personal fehlt und die Technik altert, weil Investitionen auf Eis gelegt werden müssen? Im Kern fordern die Organisationen eine sichere und auskömmliche Finanzierung – nicht nur auf dem Papier. Eine bloße Anpassung an die Grundlohnrate sei eine Milchmädchenrechnung: Die Kosten für Fahrzeuge, Sprit, Energie und teure Medizintechnik laufen ihnen davon. Hinzu kommt, dass diese Ausgaben bei der Lohnentwicklung nur am Rande sichtbar werden. Effizienzpotenziale sind im Rettungswesen längst herausgeschliffen – mehr als bundesweit gleiche Qualität und unmittelbare Verfügbarkeit lässt sich kaum einsparen. Auch die aktuell vorgesehene Ausnahmeregel im Gesetz überzeugt die Praktiker nicht: Sie greift erst, wenn schon Gefahr im Verzug ist, statt vorausschauend Planungssicherheit zu schaffen. Im worst case muss ein Engpass bewiesen werden, bevor gehandelt werden darf – das halten viele für gefährlichen Leichtsinn. Eine maßgeschneiderte Öffnungsklausel ist aus ihrer Sicht ein Muss – sonst könnten Versorgungsbrüche und ein Notstand drohen, der sich über das ganze Land legt. Trotz aller Kritik sind sich die Hilfsorganisationen einig, dass die Notfallversorgung reformiert werden muss: Effizienter, digitaler, besser gesteuert – aber nicht zu Lasten von ländlicher Versorgung oder der Sicherheit. Der Rettungsdienst ist und bleibt ein anerkannter Teil der kritischen Daseinsvorsorge – und darf deshalb nicht nach Marktlogik behandelt werden, so der gemeinsame Tenor.

Die deutschen Rettungsdienste blicken mit Unbehagen auf den vorliegenden Gesetzentwurf zur Ausgabenbegrenzung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Vordergrund steht die Sorge, dass starre Kostenbremsen und fehlende spezifische Ausnahmen ihren Betrieb massiv gefährden könnten. Selbst die geplante Ausnahmeregelung hilft aus Sicht der Praktiker kaum, da sie erst im Krisenfall greift – zu spät, um einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen. Nach Recherchen etwa bei der Süddeutschen Zeitung und ZEIT ONLINE ist die Debatte um die Rettungsdienste derzeit tatsächlich sehr präsent: Die Bundesregierung plant, den Rettungsdienst als Teil der Notfallreform stärker zu regulieren, während zugleich an neuen Leitstellenstrukturen und digitalisierten Einsatzsystemen gearbeitet wird. Nach aktuellen Berichten verschärfen weiterhin steigende Personal- und Energiekosten sowie ein besorgniserregender Mangel an Nachwuchskräften (siehe FAZ) den Druck auf die Einsatzkräfte. Zusätzlich spitzt sich die Lage in ländlichen Regionen zu – laut Berichten auf der Plattform TheLocal.de stoßen Rettungsdienste angesichts langer Anfahrtswege und knapper Ressourcen vielerorts an ihre Grenzen. Da auch Tarifauseinandersetzungen und Streiks der Notfallversorgung zusetzen (vgl. taz), fordern die Organisationen nicht nur finanzielle Planungssicherheit, sondern auch eine breite gesellschaftliche Debatte über Verantwortung, Solidarität – und die Rolle des Rettungsdienstes jenseits von Kosten-Nutzen-Logiken.

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