Rasant wachsende Spannungen zwischen politischen Blöcken und die ständige Furcht, mit sensiblen Geschäftsdaten am Gängelband externer Großkonzerne zu hängen, sind längst keine bloßen Gedankenspiele mehr. Die Sorge um digitale Souveränität ist im Vorstandsetagen-Alltag angekommen – und das mit Nachdruck. Die jüngste Großbefragung, durchgeführt von valantic und Handelsblatt Research, bringt Fakten auf den Tisch: Die allermeisten Unternehmen mit Sitz in der DACH-Region haben längst damit begonnen, sich gegen die digitale Fremdbestimmung abzuschirmen. Vereinzelte Innovationsverweigerer gibt es zwar noch, aber sie werden zur seltenen Spezies – nur einer von zehn Befragten schiebt das Thema bislang auf die lange Bank.
Es läuft auch nicht nur auf eine hübsche neue IT-Richtlinie hinaus: Viele Firmen setzen auf ein ganzes Orchester an Maßnahmen, angefangen bei etablierten Datenklassifizierungen oder Residency-Policies bis hin zu eigens kontrollierten Schlüsselsystemen. Fast zwei Drittel der befragten Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer sehen ihre bisherige Abhängigkeit als mögliches Hauptrisiko für die Zukunft. Interessant: 69 Prozent priorisieren schon jetzt, dass sensible Geschäftsdaten in Speichern und Backups innerhalb der EU bleiben. Sovereign-Clouds und eigens verwaltete Schlüssel (BYOK) gewinnen ständig an Boden. Thematische Nebenstraße: Die Sorge, Daten könnten außerhalb Europas rechtlich ungeschützt sein, ist ein schleichender Stressfaktor.
Auffällig auch: Die mutigsten Schritte werden bei denjenigen sichtbar, die beim Thema KI ohnehin schon die Nase vorn haben. Wer sich als KI-Vorreiter versteht, schätzt das Risiko, von externer Technologie abhängig zu sein, doppelt so hoch ein wie andere – und agiert entsprechend resolut. Sie investieren oft gezielt in europäische IT-Partnerschaften, bauen KI-Infrastruktur selbst aus und halten an nationalen bzw. EU-Kooperationen fest. Interessanter Gedanke am Rand: Die Kontrolle über die eigenen Daten hat in solchen Kreisen teilweise schon den Stellenwert einer existenziellen Überlebensstrategie.
Zur Methodik: Für den „Digital Excellence Outlook 2026“ wurden 1.000 Führungspersonen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (jeweils Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden) quantitativ befragt. Darüber hinaus fanden vertiefende Interviews mit acht Führungskräften (darunter Größen aus DAX, MDAX, SMI) statt. Branchenmäßig reichte das Spektrum von Automobil und Pharmazie über Handel, Logistik bis hin zu Versorgungsunternehmen. Die Tiefenbefragung der KI-Kompetenz verlief über Selbsteinschätzung und Ausweis entsprechender Innovationen innerhalb der Unternehmensstrategie.
Wer das Gesamtbild und alle Details nachlesen will: Die vollständige Studie gibt es hier: "AI at Scale: Die Studie im Überblick - Digital Excellence Outlook 2026" (https://www.valantic.com/de/publications/ai-at-scale/).
Kurz gesagt: Digitale Souveränität ist kein Modewort mehr, sondern eine der großen wirtschaftlichen Stellschrauben für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neun von zehn C-Level-Verantwortlichen treiben aktiv Projekte zur Unabhängigkeit von nicht-europäischen Technikgiganten voran, vor allem durch EU-zentrierte Datenhaltung, souveräne Cloud-Angebote und selbstverwaltete Verschlüsselungssysteme. Besonders bei denjenigen, die bereits tief in Künstliche Intelligenz investiert haben, ist die Sensibilität für technologische Abhängigkeit – und damit die Bereitschaft gegenzusteuern – ausgesprochen groß. Laut aktuellen Berichten vieler Medien (s.u.) wird der Konkurrenzkampf um unabhängige Dateninfrastrukturen, getrieben durch EU-Regulierung und geopolitische Unsicherheiten, immer intensiver. Speziell das European Data Act und Initiativen wie Gaia-X setzen neue Standards für die Selbstbestimmung europäischer Unternehmen. Dennoch berichten jüngste Analysen etwa von FAZ und t3n, dass die praktische Umsetzung an Hürden wie Qualifikationsdefiziten, Kostendruck und Widerständen etablierter IT-Anbieter scheitert. Aktuelle Nachrichten melden zudem, dass große Player wie SAP und Telekom versuchen, mit europäischen Cloud-Offensiven neue Souveränitätsmaßstäbe zu setzen – während politische Debatten über IT-Sicherheit, Datenschutz und Innovationsfreiheit weiter köcheln.